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Offene Türen?

26. September 2021, Steffi Krapf - Geistesblitz

Offene Türen?

von Annika

Wie offen steht die Kirchentür?

Ja, wie offen steht sie eigentlich? Und für wen?

Wenn ich an einer Kirchentür vorbeikomme, schaue ich fast automatisch, ob sie offen steht. Aber reingehen... Nein. Zu viele Gefühle, zu viele Fragen.
Was, wenn ich dort, in diesen heiligen Räumen, gar nicht sein darf?
Was, wenn ich jemanden in seinem höchst persönlichen Gespräch mit Gott störe, einfach nur durch meine Anwesenheit, die sich in Kirchen immer ein bisschen zu laut, ein bisschen zu unbedarft, ja, ein bisschen zu viel anfühlt?
Oder was, wenn dort, aus der kleinen Tür hinter der Kanzel, jemand herausschießt und mir sagt, dass ich hier eigentlich doch gar nicht sein darf, die offene Tür ein Versehen war?

Geschlossene Gesellschaft, heute, zufällig, während ich reingehe hätte es mir auffallen müssen, ich war bloß mal wieder zu beschäftigt um es zu bemerken. Jede Kirchentür fühlt sich an, als wäre sie mit einem <geschlossene Gesellschaft> Schild versehen, leise baumelt es in einer Ecke, man kann es mal schlechter erkennen, mal besser, aber da ist es immer. Oder bringe ich es mit? Für wen ist denn Kirche? Und wer darf hineingehen?
Eigentlich widerspricht es doch meinem christlichen Selbstverständnis, dass jemand ausgeschlossen werden sollte.
Aber ich. Lesbisch, eben noch katholisch, nun doch irgendwie gar nichts mehr, das Vaterunser einfach nie im Kopf drin, und Hilfe, wo tue ich denn meine Hände hin, wenn rechts neben dem Eingang nicht wie erwartet die kleine Schale mit dem Weihwasser bereitsteht?

Trotz allem. Kirche ist auch für mich. Ob da nun Weihwasser steht, oder nicht, ob ich mich richtig herum bekreuzige oder es doch wieder verwechsle; wer weiß schon immer so genau, wo links und wo rechts ist. Kirche ist auch für Menschen, die noch nie in einer waren, für Menschen, die das Amen nicht laut genug sagen, und auch für Menschen, die es überhaupt nicht sagen wollen.

Nun, warum fühlt es sich denn dann so an, als würde man Gott aussperren, als würde ihre Präsenz verschwinden, desto tiefer man sich in den riesigen Raum bewegt. Warum ist Gott für mich nicht in dem Priester, in den Verzierungen, in den Kerzen oder den Gläubigen?

Kirche ist nicht gleich Kirche. Diese großen Gebäude, wie man sie überall findet, manchmal mit Turm, manchmal ohne, manchmal mit Stühlen, manchmal mit Sitzsäcken, das sind doch bloß Gebäude.

Das, was die Kirche ausmacht, das machen wir alle, jede einzelne von uns, ob Pastorin, Organist, oder einfach nur da. Wir können entscheiden, wer dazugehört, und wenn Menschen sich entscheiden, ihren Glauben exklusiv zu gestalten, fallen Menschen heraus, dann gehen Türen zu, obwohl sie physisch eigentlich offen stehen.

Ein Mädchen aus einem kleinen englischen Buch fragte einmal: "Wie heißt die Frage auf die Antwort <in mir drin, ganz in der Mitte.>?" Die Frage auf diese Antwort lautet <Wo ist Gott?>.

Gott ist in jeder und in jedem von uns, ganz innen drin. Auch im Kirchengebäude. Gerade im Kirchengebäude, wo man doch zusammenkommt, um gemeinsam diese Nähe zu feiern. Wenn sich das nicht für alle so anfühlt, dann ist etwas schief gelaufen, dann hat Kirche ihren Dienst versagt. Dann müssen wir etwas ändern, denn Kirche ist für alle da.

Die Tür, sie steht immer offen, auch im übertragenen Sinne. Und vielleicht, brauchen wir gerade noch kleine Schutzräume - um anzukommen, aufzutanken, um Kraft zu sammeln, um morgen wieder durch eine Tür gehen zu können, die sich eigentlich ganz furchtbar geschlossen anfühlt, es aber gar nicht ist. Oder auch um Türen zu öffnen, die wirklich geschlossen sind, es aber nicht sein sollten.

Damit queere Gottesdienste irgendwann nicht mehr nötig sein müssen, damit man sich überall Zuhause fühlen kann. Denn gerade in "Gotteshäusern", da sollte man doch Zuhause sein, da sollte man ankommen dürfen und sich aufgenommen fühlen. Egal, wo man herkommt, wo man hingeht, wen man liebt oder was man in der Zwischenzeit so macht.

Denn wenn Gott in unser aller Mitte wohnt, dann kommt er auch mit in die Kirche.

Weihnachten braucht nicht viel...

24. Dezember 2020, Steffi Krapf - Geistesblitz

Weihnachten braucht nicht viel...

von Alexander Schreeb

Weihnachten braucht nicht viel.

Der heilige Abend ist da, nicht weil wir es wollen, sondern weil Gott uns diesen schenkt. Weil ein Engel auf die Erde kam und sagte: "Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids."

Weihnachten hat es nie einfach gehabt.

Zwischen Bratwurst und Glühwein. Zwischen roter Bommelmütze und Shoppinglisten. Zwischen dem Mann mit dem Bart und dem Coca-Cola-Truck. Aber auch da war immer Weihnachten. Mit Lametta und Last Christmas, dem Familienessen und Oh Tannenbaum.

In jedem Jahr in jeder heiligen Nacht erzählen wir uns diese Geschichte: Dass da ein Kind war, das gefunden wurde in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.
Und diese Geschichte klingt nicht nur in den warmen Stuben und vollen Gotteshäusern, sondern auch in den Krankenhäusern und Altersheimen. In einsamen Zimmern und inmitten bitterer Kälte.

Sie ist dafür gemacht, um gehört zu werden, zuerst an den Orten, die nicht so prachtvoll geschmückt und beschenkt werden. Dort, wo Gott fern scheint, genau dort strahlt er.

Zu allererst hat er die frohe Nachricht einsamen Menschen vor den Toren der Stadt gebracht.
Was immer die sich auch ersehnten und erhofften, sie wurden verwandelt und die Freude muss unendlich gewesen sein, denn sogar die himmlischen Herrscharen lobten Gott und sprachen: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens." Dann rannten die Hirten los, weil sie wussten: Da ist mehr, als sie je gedacht hätten. Sie waren nicht einsam unterwegs. Und als sie dieses Kind in der Krippe fanden, fand Gott sie.

Weihnachten braucht nicht viel.

Der heilige Abend ist da, weil Gott uns diesen schenkt und wir diese Geschichte erzählen:

Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.

Gott ist da und er ist mehr als eine besinnliche Stimmung und mehr als ein Relikt und alte Tradition.

Er kommt dahin, wo es wehtut. Da, wo das Herz knirscht und uns eng wird, damit wir uns nicht so fürchten und freier und gelassener werden.

Deshalb erzählt diese Geschichte weiter.

Gerade jetzt in dieser Zeit. Singt davon in Liedern: von Oh Tannebaum und Stiller Nacht, von Tochter Zion und Es kommt ein Schiff geladen.

Denn Weihnachten ist da, weil Gott uns diese Tage schenkt.

Ein hörendes Herz

09. Oktober 2020, Steffi Krapf - Geistesblitz

Ein hörendes Herz von Nils Timm

Anfang August war ich mit sechs anderen jungen Erwachsenen in Griechenland. Genauer gesagt in Katerini, eine Autostunde entfernt von Thessaloniki. Aber wieso Sommer, Sonne und Strand - ein richtig schöner Urlaub, während alles durch die Coronapandemie in Atem gehalten wird. Muss das sein? Und das ist der Punkt, auch wenn 35 Grad Celsius und der 20 Minuten entfernte Strand etwas anderes vermuten lassen, war das kein Urlaub oder zumindest kein so richtiger.

Denn wir sieben haben in der Bürgerinitiative "O topos mou" ("Mein Ort") zwei Wochen lang mitgeholfen und angepackt. Die Aufgaben hätten dabei verschiedener nicht sein können: Gartenarbeit, Medikamente sortieren und verpacken in der Sozialen Apotheke oder Brandwache am Fuße des Olymps. Wenn ihr noch mehr erfahren wollt, kommt ihr hier zu der Website, wo wir auch täglich von dem Erlebten berichtet haben.

Und das war das nicht alles. Wundervolle Begegnungen, eindrückliche Bilder und bisweilen auch tief emotionale Momente.
Nach zwei Wochen fährt man mit viel im Gepäck wieder zurück. Mit mehr Verständnis für die Menschen eines ganzen Landes, der Erfahrung, wie einfach gelebtes Miteinander doch funktioniert, was Solidarität eigentlich bedeutet und wie wenig doch so viel verändern kann.
Bei all dem fällt es einem schwer zu selektieren und nicht völlig überwältigt zu werden.

Und saß auch ich wieder in Deutschland und dachte, was davon, welche Erkenntnis mir am wertvollsten ist. Dabei musste ich, wie es der Zufall so will, an eine Geschichte aus der Bibel denken, die ich ein paar Wochen vor der Abreise in einem ganz anderen Kontext gelesen habe.

In der Geschichte ging es um den großen König Salomo, der für seine Weisheit und Güte bis über die Landesgrenzen hinweg bekannt war. Doch die Geschichte spielt eine ganze Weile davor. Salomo ist gerade erst König geworden, überfordert von den unzähligen Aufgaben und dem Erbe, das ihm sein Vater David hinterlassen hat. Da erscheint ihm Gott im Traum und spricht: "Bitte, was ich dir geben soll." Ein verlockendes Angebot, als König kann man vieles gut gebrauchen. Reichtum oder doch eher makellose Schönheit? Nein. Ein Genie zu sein, wäre auch nicht schlecht, aber nein das ist es nicht. Ein langes Leben und Gesundheit? Nee, auch das nicht. Und so überlegt Salomo und sagt schließlich: "Ein hörendes Herz, gib mir Verständnis." Gott gewährt ihm seinen Wunsch. Ich finde das beachtlich und mutig, hätte er doch alles Erdenkliche haben können. Verständnis und Güte, um seine Mitmenschen bestmöglich zu verstehen, zu leiten und zu unterstützen. Das trägt Früchte, Israel lebt lange Jahre in Frieden und Wohlstand.

Heutzutage bekommt man oft gesagt, mit Fleiß und Arbeit komme man weit. Das mag stimmen, doch spätestens seit diesen zwei Wochen bei "O topos mou" bin ich mir sicher: Mit Verständnis und Güte kommt man viel weiter. Denn man kommt dahin, wo kein Aussehen, kein Reichtum der Welt führt. Nämlich in die Herzen der Menschen.

In Griechenland durften wir das täglich erleben. "O topos mou" ist für viele Menschen in Katerini, deshalb zu einem wichtigen Bezugspunkt, einem Zuhause geworden. Und das "Wie" ist bewundernswert. Diesen Umgang, geprägt vom Verständnis Füreinander, vermisse ich hier in Deutschland immer wieder.

Wirklich Zuhören zu können ist eine Gabe, die man lernen muss. Seit Griechenland hört mein Herz alles noch einige Dezibel lauter und ein leiser gibt es da nicht mehr. Das wünsche ich mir für jede und jeden. Und falls man Gott nach einem hörenden Herzen fragt, da bin ich mir sicher, führt auch ein Weg an die griechische Mittelmeerküste.

"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar."

Eigentlich...

01. August 2020, meikeandres - Geistesblitz

Eigentlich .....

.... wollte ich im März Anmeldebestätigungen für Sommerfreizeiten und Landesjugendcamp verschicken. Nun habe ich Mund-Nasen-Masken genäht.

.... wollte ich im April nach Amsterdam fahren. Nun habe ich mich mit Stornokosten, Hygieneplänen und Verordnungen beschäftigt.

.... wollte ich im Mai so richtig schön Urlaub machen, bevor die Sommeraktionen losgehen, nun habe ich im Urlaub mein Haus renoviert.

.... wollte ich im Juni mit 2.000 Jugendlichen viel Spaß auf dem Landesjugendcamp in Verden haben. Nun habe ich mich im Umgang mit digitalen Medien erprobt.

.... wollte ich im Juli eine fantastische Jugendfreizeit in Schweden erleben. Nun werden Tagesveranstaltungen und Webinare unter "Corona-Auflagen" stattfinden.

.... wollte ich im August ......

Ich plane nicht mehr. Was eigentlich alles geplant war, ist jetzt nicht mehr möglich. Die Termine im Kalender sind gestrichen oder mit einem dicken Fragezeichen versehen.

Eigentlich sollte auch 2020 vieles stattfinden, was "immer" stattfindet. Nun ist alles anders.

Eigentlich gar nicht so schlecht. Nun ist Platz für spontane Sachen, für neue Ideen, fürs Aufräumen und Sortieren.

Und: wenn ich jetzt "analog" Menschen treffe, ist die Freude darüber viel größer als sonst.

Eigentlich ist das gar nicht so schlecht.

Bleibt gesund!

Eure Meike

Vollmeise!

01. April 2020, cornelyazemke - Geistesblitz

Für alle, die es nicht wissen: Ich bin eine große Tierfreundin.

Allem, was schnattert, zwitschert und piept, höre ich total gerne zu - mal sehen, vielleicht lerne ich jetzt doch noch Vogelstimmen zu unterscheiden - Zeit für ein neues Hobby wäre ja gerade...

Warum ich das erzähle? Nun, ich sitze - wie so viele andere - in Homeoffice. In diesem Fall mit meinem Laptop auf dem Balkon und bin ein bisschen abgelenkt. Seit dem Wochenende habe ich neue Mitbewohner im Haus, die täglich ihrer Arbeit nachgehen. Fleißig und gewissenhaft "hamstern" sie und schleppen alles in ihr neues Zuhause. Ich bin beeindruckt, was sie alles brauchen und vor allem, wo sie das alles lassen!

Manchmal machen sie einfach eine kleine Party - trotz Verbot! Jedenfalls vermute ich das, sehen kann ich es nicht wirklich - so ist das halt mit Nachbarn.

Haben die eigentlich noch nichts von der momentanen Gefahr gehört? Von dem, was wir jetzt eigentlich tun sollten? Offensichtlich nicht - und selbst wenn, würde ich sagen, dass sie genau das tun, was kleine Meisen jetzt tun sollten: sich vorbereiten und abwarten, was dabei raus kommt.
Sie tun, was sie tun müssen, nicht mehr und nicht weniger, weil es für die Vogelgesellschaft eben jetzt wichtig ist. Irgendwie,... also genau, wie bei uns gerade...nur anders.

Sie sind wirklich sorglos und rücksichtslos in Hoffnung schenken und zaubern mir ein Lächeln auf die Lippen. Jetzt ist es so, aber bald ist es anders ... und das pflanzt mir einen Gedanken in den Kopf:

"Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch! (Matth. 6,26)"

Es ist genug und reichlich für alle da. Sie finden, was sie wirklich brauchen.
Gott dafür sorgt ohne, dass sie sich nicht sorgen müssen.

Und wenn ich meine neuen gefiederten Mieter so angucke, nehme ich ihnen das sofort ab. Unglaublich ihr Vertrauen! Sie haben wohl gute Erfahrungen damit gemacht!

Für mich ist gesorgt - Gott sorgt für mich. Eine Gewissheit in dieser sonst so ungewissen Zeit.
Darauf kann ich vertrauen und ein Stück Sorge loslassen, weil ich sie an Gott abgeben kann.

"Sorgenfasten" hat das meine Freundin genannt.

Apropos , ich könnte damit jetzt auch noch anfangen, bis Ostern ist ja noch ein bisschen Zeit. Und weil ich manchmal mehr als eine Erinnerung brauche und total gerne Besuch habe, habe ich aus dem Keller noch ein Vogelhaus hochgeholt.*

Seid behütet und beschützt!

Conny

* PS: Auch das ist inzwischen bezogen!

"Dieser Weg wird kein..."

03. Februar 2020, martinawittke - Geistesblitz

Unsere Nationalmannschaft hat diesen Titel von Xavier Naidoo 2006 zu ihrem Lied gemacht. Jeder Spieler wusste, dass es nicht einfach wird, aber sie wollten ihren Weg als Team gemeinsam und entschlossen gehen.

Aber zieht dieser Songtext einen nicht eigentlich runter? Die Zukunft scheint so schwarz gemalt und düster. An einer Stelle im Leben, wo man nicht weiß, wie es weitergehen soll, was jetzt auf einen zukommt. An manchen Kreuzungen muss man sich fragen: „Wie will ich weitergehen? Und von welchem Traum lasse ich mich leiten?“ Will uns Xavier mit seinem Lied Mut zum Leben machen, weil es einem viel bietet?

„Es was nur ein kleiner Augenblick, einen Moment war ich nicht da“...

Kurz wegschauen und aus versehen etwas Wunderbares verpassen. Solche Gedanken sind nicht selten in unserer Gesellschaft: die Angst etwas zu verpassen. Die Angst nicht mitreden zu können, nicht „up to date‘“ zu sein, sind bestimmt Ängste, die gerade uns jüngere Menschen betreffen.

„Nicht mit Vielen wirst du dir einig sein“ … gleichzeitig ist das nicht so schlimm, denn: Du lebst für dich!

„Manche treten dich, manche lieben dich, manche geben sich für dich auf. Manche segnen dich, setz dein Segel nicht, wenn der Wind das Meer aufbraust“. So ist das im Leben: manchmal ist es jedoch schwer zu erkennen, wer einen tritt und wer einen liebt.

Jesus ist auch Menschen begegnet, die gesagt haben, dass sie ihn lieben würden und am Ende dann doch nicht zu ihm gehalten haben. Petrus zum Beispiel. Er war einer der engsten Freunde von Jesus, hat ihm versprochen, alles für ihn zu tun, konnte das aber nicht halten und hat, als es drauf ankam sogar so getan, als würde er Jesus nicht kennen. Alle Jünger sind weggelaufen, als die Gefahr größer wurde. Jesus aber hat sie nicht verurteilt, sondern zu ihnen gehalten.

Den Tritt spürt man immer schneller, als einem lieb ist. „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer.“ Durchaus wahre Worte. Es ist gut Freundinnen und Freunde zu haben oder die Familie, Menschen, auf die wir vertrauen, wenn unser Weg steinig und schwer wird. In Jesus, Gottes Sohn, haben wir einen, auf den wir uns immer und zu 100% verlassen können, wo Menschen nicht immer standhalten können. Amen

Eine Andacht von Finna und Tove Mohr

Neues Jahr - neue Vorsätze?

08. Januar 2020, Daniela Klockgether - Geistesblitz

Gibt es etwas, dass du dir für dieses Jahr vorgenommen hast? Mehr Sport und weniger Süßigkeiten oder mehr Zeit für Freundschaften und weniger Zeit mit Doofem verplempern, mehr in der Bibel lesen oder nicht so viel Serien gucken... Gerade in der Silvesternacht werden viele Vorsätze gefasst. Ich habe schon vor vielen Jahren damit aufgehört, mir ausgerechnet zum Jahreswechsel ein neues Programm zu verschreiben. Mir macht das irgendwie Druck, dass ich dann die vorgenommenen Dinge nicht einhalte...

Die Jahreslosung für 2020 nimmt mir Druck, lässt Raum für Zweifel und hilft mir mein Glaubensleben zu sortieren: "Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" (Markus, 9,24)

Ein Mann kommt zu den Jüngern und bittet sie, seinen kranken Sohn zu heilen. Doch sie können ihm und den Sohn nicht helfen. Warum eigentlich nicht? Der Mann ist verzweifelt. Dann kommt Jesus dazu. Kann er helfen? Der Mann scheint jetzt verunsichert. Und Jesus verändert die Perspektive: "Alles ist möglich dem, der glaubt!" Hängt die Heilung nun von der Glaubensstärke des Mannes ab? Wann ist der Glaube groß und stark genug? Der Mann kennt seine eigenen Zweifel, das mangelnde Vertrauen und Zutrauen. Wenn er jetzt nicht genug glaubt - bedeutet dass, das sein Junge dann nicht gesund werden kann? Aus eigener Kraft heraus kann er nicht stark genug glauben. Und so wendet er sich voller Ehrlichkeit und Demut an Jesus: "Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" Die Geschichte endet gut: der Junge wird geheilt.

Müsste mein Glaube nicht auch größer und stärker sein? Manchmal zweifle ich. Und die Geschichte sagt mir: meine Zweifel dürfen sein - doch ich kann sie an Jesus zurückgeben. Ein bisschen so, wie das "Ja, mit Gottes Hilfe" bei Trauungen oder Segnungen oder wie im Kinderlied ".... und das, was du allein nicht schaffst, das schaffen wir vereint." Danke dafür!

Ich wünsche euch ein behütetes und gesegnetes neues Jahr!

Eure Daniela

Diese Sehnsucht

16. Dezember 2019, cornelyazemke - Geistesblitz

Wir Menschen sehnen uns.

Nach Dingen, die heil sind.

Wir haben Bedürfnisse: nach Liebe, Zuneigung und Sicherheit. Wir alle tragen eine Art Tank in uns, der gefüllt werden möchte, mit diesen Gefühlen. Wenn er voll ist, dann haben wir das Gefühl, das Leben genießen zu können. Den Tank füllen wir mit Gefühlen, die wir aus unterschiedlichen Quellen bekommen. Es gibt zwei Arten von Quellen, die unendliche und die endlichen.

Wenn wir uns nach den beschriebenen Gefühlen sehnen, suchen wir diese meist in endlichen Quellen: Beziehungen zu Menschen, aber auch in Aktivitäten, Geld, Essen oder dem Handy.

Aber was ist, wenn diese Quellen versiegen. Wenn Beziehungen zerbrechen oder enttäuschen, kein Essen zur Verfügung steht, wenn ich meinem Hobby nicht mehr nachgehen kann und das Geld knapp ist? Dann können wir unseren Tank mit den Gefühlen, die wir durch endliche Quellen erhalten, nicht mehr füllen.

Wo bleibt dann die Lebensqualität?

ABER da ist noch eine Quelle, die niemals enden wird, auf die jeder und jede zugreifen kann und die uns all das im Überfluss schenkt.

Diese unendliche Quelle ist Gott. Gott ist nicht nur Zeiten da, wo es uns schlecht geht und das Leben dunkel scheint. Er ist immer da und freut sich, wenn wir Zeit mit ihm verbringen und uns ihm öffnen, auch wenn uns dies manchmal schwer fällt. Wenn wir die Liebe Gottes jeden Tag in uns tragen, dann ist der Tank immer voll und dann haben wir die Kraft, unsere Liebe an jeden weiter zu geben, weil wir so viel von ihr in unseren Herzen tragen.

Eine Freizeitandacht von Eva und Jette (Danke Euch beiden!)

Sein im Hier und Jetzt

12. November 2019, Berufspraktikant - Geistesblitz

" Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde"

Heute ist es endlich soweit! Ich treffe Freunde wieder, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Dafür stehe ich am Kröpcke und warte, warte auf die, die mir wichtig sind und mit denen ich Zeit verbringen möchte. Währenddessen sehe ich im Herzen Hannovers viele verschiedene Menschen. Sie lachen, unterhalten sich und sind dabei ständig in Bewegung. Niemand rastet für einen Augenblick. Es geht immer weiter. Und so beobachte ich und warte...
Antworte noch auf einige Nachrichten auf dem Handy und dann geht es auch schon los, mit meinen Freunden, in das nächste Kaffee. Die Stimmung ist gut und wir unterhalten uns angeregt! Die Gespräche sind wundervoll, mitreißend, emotional und dennoch sind wir alle nicht immer ganz da und das, obwohl die Stimmung doch so wundervoll ist. Wir sitzen in einem kleinen Kaffee ganz eng beieinander und doch sind wir in manchem Moment soweit weg.
Wir alle sind nicht nur immer an diesem einen Ort und vor allem ich selbst bin gut darin, nicht immer voll dabei zu sein bzw. mich ablenken zu lassen.
In jedem Gespräch vibriert mein Handy, das ist die erste Zeit auch vollkommen in Ordnung, es wird einfach ignoriert, aber irgendwann wird es mehr, die Nachrichten flattern in kürzeren Abständen rein... "Warum so viele Nachrichten? Ist etwas passiert?" auf diesen Gedanken folgt ein weiterer. "Nur ein kurzer Blick" so meine Ausrede für mich selbst. Das Handy ist in meiner Hand und der Bildschirm blitzt auf. Verschiedenste Nachrichten aus Gruppenchats und privaten Gesprächen kommen zum Vorschein. Die Gespräche am Tisch laufen weiter, ich beteilige mich immer noch, aber nicht mehr mit so vielen Worten wie vorher. Einige Nachrichten erscheinen mir wichtig und ehe ich mich versehe, habe ich das Handy schon entsperrt.
"Hmmh, wenn ich ihm jetzt geantwortet habe, muss ich ihr auch antworten, weil ich ja online war..." und so folgt die nächste Ausrede, um weiter die offenen Chats zu beantworten und für mich einen Abschluss zu bekommen.
Von der anderen Tischseite kommt plötzlich: "Hey bist du noch hier? Musst du gerade was Wichtiges klären? Dann mach das eben und dann pack das Ding doch mal weg!"
Auch meine Freunde sind am Chatten, aber der Fokus wird nur kurz und vielleicht nur ein oder zweimal bei so einem Treffen gewechselt, dies auch nur, wenn es etwas für die Rückfahrt zu klären gibt oder mal ein Notfall entsteht und dann wird es durch ein Telefonat geklärt. Ich hingegen weiß oft nicht, wo ich mich gerade befinde.
Physisch ist mir klar, dass ich in diesem Café sitze, aber wo ist mein Geist? Wo sind meine Gedanken? Bin ich gerade in diesem Café mit meinen Freunden, die ich seit Monaten nicht gesehen habe? Oder bin ich gerade in meinem Ehrenamt, weil es dort wichtige Dinge zu klären gibt, für die nächste Veranstaltung? Das geht natürlich nur jetzt und in diesem Moment. Oder plane ich gerade schon das nächste Treffen mit anderen? Für Gespräche mit Personen, die ich eh bald sehe und die keiner Klärung bedürfen? Wo ist eigentlich mein Fokus?
All diese Fragen habe ich mir oft nach den Treffen mit Personen gestellt, die mir wichtig sind. Ich bin oft an so vielen Orten und das nur durch meine ständige Erreichbarkeit.
Die heutige Zeit erfordert Flexibilität und Erreichbarkeit, aber zu welchem Preis? Es hat für mich Jahre gedauert - und ja auch in manchen Situationen dauert es noch - bis ich begriffen habe, dass es schlimmer ist, einer Situation hinterher zu trauern, die ich selbst hätte besser gestalten können.
Die Erreichbarkeit und Flexibilität endet dort für mich, wo die Begegnung beginnt. Der Klingelton wird ausgeschaltet, genau wie die Vibration, und wenn mein Kopf zu befangen ist, dann muss auch das Handy mal komplett ausgeschaltet werden. Die Momente durch einen Chatverlauf oder Bilder wiederzusehen, hat nicht den gleichen Stellenwert für mich wie die Begegnung.
Ein jegliches hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde und wenn die Begegnung beginnt, dann bin ich physisch und geistig an Ort und Stelle. Den Fokus setzen wir selbst, es wird immer Ausnahmen geben. Tage, an denen es einem selbst nicht gut geht, und der Fokus schwankt. Doch an guten und normalen Tagen bestimmen wir, wo wir sein wollen und dann darf das Handy klingeln wie es will!

Wenn ich zu meiner Tasse Kaffee greife und einen großen Schluck daraus nehme und mir die Neuigkeiten anhöre, die im Leben der anderen gerade aufgekommen sind. Oder wenn wir uns lachend gegenüber sitzen und in Erinnerungen schwelgen.

Die Gesellschaft lädt zum Mitreißen lassen ein. Die Geschwindigkeit erhöht sich und viele Dinge im Leben werden immer schneller getaktet. Nur keine Zeit verlieren, denn Zeit ist Geld oder wie es so schön heißt. Doch genau dagegen darf sich gestellt werden, um Momente hervorzuheben, die gerade im Fokus stehen. Diese Momente wahrzunehmen im Hier und Jetzt - und nicht in einem offenen Chat, der nachgelesen wird, weil ich beim Kaffee einer anderen Person beschrieben habe, was ich gerade tue und worüber wir reden.

Lasst euch Zeit für das Hier und Jetzt! Euer Alexander

(Alexander Diße macht seit dem 1. September 2019 bei uns sein integriertes Anerkennungsjahr als Religionspädagoge und Sozialarbeiter)

Da, wo ich bin

09. Oktober 2019, Berufspraktikant - Geistesblitz

Ende Mai war ich für neun Tage in Israel.

Eine kurze Reise, aber sie hat mich wahrscheinlich mehr geprägt als alles andere. So intensiv, so bunt und manchmal auch so emotional. Nicht umsonst hört man meist als Allererstes: "Israel verändert dich, deinen Blick auf die Welt." Bei mir war das so.

Stundenlang könnte ich erzählen von alten Tempeln, Ausgrabungstätten, Templerfestungen, Jerusalem und all den anderen Schauplätzen aus Bibel und Historie. Doch, was mich in Israel am meisten beeindruckt hat, war der Kontrast zwischen eben dieser Historie und dem Modernen.

Als ich das erste Mal im See Genezareth schwimmen gegangen bin, war das am stärksten. Es war abends am zweiten Tag und da noch etwas Zeit vor dem Essen war, ging man also schwimmen. Als wäre es das Normalste der Welt. Für mich war das eines der Dinge, auf die ich mich am meisten gefreut hatte.

Und so stand ich da am Strand. Direkt am Ufer des Sees. Andächtig, fast schon ein bisschen ehrfürchtig. Schließlich war das der Ort der ganzen Geschichten, die ich schon als kleiner Junge gehört und gelesen hatte, die mich bis heute begleiten und faszinieren. Wer weiß, vielleicht ist Jesus ja nur ein paar hundert Meter von hier entfernt übers Wasser gelaufen oder hat dort drüben die Sturmstillung vollbracht. Zu meiner Rechten liegt ein paar Kilometer entfernt Capernaum, wo sich so viele Heilungen und Gleichnisse abgespielt haben. Und dort drüben kann man die andere Seite des Sees sehen: Wie oft er wohl von dort hierüber gefahren ist? Mit diesen Gedanken stand ich da und fragte mich: Kann ich hier jetzt einfach so schwimmen gehen?

Ich muss zugeben, die Frage ist schon ein bisschen dämlich, schließlich steht der "Bademeister" nicht aus Spaß hier und auch die anderen Menschen am und im Wasser sind möglicherweise ein Indiz dafür, dass schwimmen hier durchaus erlaubt ist. Möglicherweise!?

Besonders in diesem Moment - aber in Israel ganz oft - ist mir bewusster geworden, dass bei all den Orten wo Jesus und all die anderen biblischen Personen vielleicht einmal waren und gewirkt haben, wo jetzt meist eine Kirche steht und sich die Touristen scharen, dass sich wirklicher Glaube, wirkliche Spiritualität für mich nicht darin zeigt und fest macht, was mal gewesen und passiert ist. Sondern: Glauben zeigt sich im lebendigen Leben in all seinen Facetten und Farben!

So kann ich für mich sagen, dass bei all den tollen Eindrücken es nicht die Ruinen und alten Stätten aus der biblischen Zeit waren, sondern das gemeinsame Leben im Glauben, das mich spüren ließ: Gott ist überall! Er immer für mich da und es ist dabei ganz egal, ob ich nun im See Genezareth oder im Blauen See in Garbsen schwimme.

Da, wo ich bin! Da ist auch er!

Ganz oft liest man in der Bibel die Worte "Ich bin bei dir". Ich bin bei dir, um dich vor Feinden zu schützen, dir die Furcht zu nehmen oder dich auf deinen Wegen zu begleiten. So spricht Gott. Da wo ich bin, bist auch du! Immer, überall, ohne Pause. Ist das nicht toll, eine solche Gewissheit zu haben. Ich finde: das ist großartig, supercalifragilisticexpialigetisch oder welches Wort auch immer für einen selbst am besten passt.

Da wo ich bin, bist auch du!

Zugleich ist das aber auch nur eine sehr schöne Phrase. So wie diese wunderbar nichtssagenden Sätze, die man nach jedem Fußballspiel von den Trainern und Spielern zu hören bekommt, um sich dann zu fragen, wie es möglich ist, so wenig inhaltliche Aussagen in fünf Minuten so schön zu verpacken.

Aber zurück zu meiner Erfahrung mit diesem Satz, denn auch mir ist das irgendwie schwer gefallen, ihn mit Inhalt zu füllen. Dauernd wurde gesagt, Gott ist immer da, er lässt dich nie im Stich. Schön und gut, aber so schwer zu greifen. Hin und wieder gibt es dann so Momente, wo ich es wirklich fühle: "Da wo ich bin, bist auch du!" Genau so ein Moment war das am See Genezerath für mich. Da war ich mir sicher: egal wo ich bin, da bist auch du, Gott; und egal wo du bist, bin auch ich. Für mich kann ich diese Worte jetzt mit Inhalt und das, wie gesagt, egal wo ich bin. Das, finde ich, ist wirklich großartig, supercalifragilisticexpialigetisch und jedes andere Wort.

Da wo ich bin, bist auch du!

Gute Wege! Euer Nils

(Nils Timm war ein halbes Jahr Praktikant im Ev. Stadtjugenddienst, der Jugendkirche und in verschiedenen Jugendzentren. Seit Anfang Oktober studiert er Ev. Theologie in Hamburg.
Gottes Segen für Deinen Weg, Nils!)