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Eigentlich...

01. August 2020, meikeandres - Geistesblitz

Eigentlich .....

.... wollte ich im März Anmeldebestätigungen für Sommerfreizeiten und Landesjugendcamp verschicken. Nun habe ich Mund-Nasen-Masken genäht.

.... wollte ich im April nach Amsterdam fahren. Nun habe ich mich mit Stornokosten, Hygieneplänen und Verordnungen beschäftigt.

.... wollte ich im Mai so richtig schön Urlaub machen, bevor die Sommeraktionen losgehen, nun habe ich im Urlaub mein Haus renoviert.

.... wollte ich im Juni mit 2.000 Jugendlichen viel Spaß auf dem Landesjugendcamp in Verden haben. Nun habe ich mich im Umgang mit digitalen Medien erprobt.

.... wollte ich im Juli eine fantastische Jugendfreizeit in Schweden erleben. Nun werden Tagesveranstaltungen und Webinare unter "Corona-Auflagen" stattfinden.

.... wollte ich im August ......

Ich plane nicht mehr. Was eigentlich alles geplant war, ist jetzt nicht mehr möglich. Die Termine im Kalender sind gestrichen oder mit einem dicken Fragezeichen versehen.

Eigentlich sollte auch 2020 vieles stattfinden, was "immer" stattfindet. Nun ist alles anders.

Eigentlich gar nicht so schlecht. Nun ist Platz für spontane Sachen, für neue Ideen, fürs Aufräumen und Sortieren.

Und: wenn ich jetzt "analog" Menschen treffe, ist die Freude darüber viel größer als sonst.

Eigentlich ist das gar nicht so schlecht.

Bleibt gesund!

Eure Meike

Vollmeise!

01. April 2020, cornelyazemke - Geistesblitz

Für alle, die es nicht wissen: Ich bin eine große Tierfreundin.

Allem, was schnattert, zwitschert und piept, höre ich total gerne zu - mal sehen, vielleicht lerne ich jetzt doch noch Vogelstimmen zu unterscheiden - Zeit für ein neues Hobby wäre ja gerade...

Warum ich das erzähle? Nun, ich sitze - wie so viele andere - in Homeoffice. In diesem Fall mit meinem Laptop auf dem Balkon und bin ein bisschen abgelenkt. Seit dem Wochenende habe ich neue Mitbewohner im Haus, die täglich ihrer Arbeit nachgehen. Fleißig und gewissenhaft "hamstern" sie und schleppen alles in ihr neues Zuhause. Ich bin beeindruckt, was sie alles brauchen und vor allem, wo sie das alles lassen!

Manchmal machen sie einfach eine kleine Party - trotz Verbot! Jedenfalls vermute ich das, sehen kann ich es nicht wirklich - so ist das halt mit Nachbarn.

Haben die eigentlich noch nichts von der momentanen Gefahr gehört? Von dem, was wir jetzt eigentlich tun sollten? Offensichtlich nicht - und selbst wenn, würde ich sagen, dass sie genau das tun, was kleine Meisen jetzt tun sollten: sich vorbereiten und abwarten, was dabei raus kommt.
Sie tun, was sie tun müssen, nicht mehr und nicht weniger, weil es für die Vogelgesellschaft eben jetzt wichtig ist. Irgendwie,... also genau, wie bei uns gerade...nur anders.

Sie sind wirklich sorglos und rücksichtslos in Hoffnung schenken und zaubern mir ein Lächeln auf die Lippen. Jetzt ist es so, aber bald ist es anders ... und das pflanzt mir einen Gedanken in den Kopf:

"Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch! (Matth. 6,26)"

Es ist genug und reichlich für alle da. Sie finden, was sie wirklich brauchen.
Gott dafür sorgt ohne, dass sie sich nicht sorgen müssen.

Und wenn ich meine neuen gefiederten Mieter so angucke, nehme ich ihnen das sofort ab. Unglaublich ihr Vertrauen! Sie haben wohl gute Erfahrungen damit gemacht!

Für mich ist gesorgt - Gott sorgt für mich. Eine Gewissheit in dieser sonst so ungewissen Zeit.
Darauf kann ich vertrauen und ein Stück Sorge loslassen, weil ich sie an Gott abgeben kann.

"Sorgenfasten" hat das meine Freundin genannt.

Apropos , ich könnte damit jetzt auch noch anfangen, bis Ostern ist ja noch ein bisschen Zeit. Und weil ich manchmal mehr als eine Erinnerung brauche und total gerne Besuch habe, habe ich aus dem Keller noch ein Vogelhaus hochgeholt.*

Seid behütet und beschützt!

Conny

* PS: Auch das ist inzwischen bezogen!

"Dieser Weg wird kein..."

03. Februar 2020, martinawittke - Geistesblitz

Unsere Nationalmannschaft hat diesen Titel von Xavier Naidoo 2006 zu ihrem Lied gemacht. Jeder Spieler wusste, dass es nicht einfach wird, aber sie wollten ihren Weg als Team gemeinsam und entschlossen gehen.

Aber zieht dieser Songtext einen nicht eigentlich runter? Die Zukunft scheint so schwarz gemalt und düster. An einer Stelle im Leben, wo man nicht weiß, wie es weitergehen soll, was jetzt auf einen zukommt. An manchen Kreuzungen muss man sich fragen: „Wie will ich weitergehen? Und von welchem Traum lasse ich mich leiten?“ Will uns Xavier mit seinem Lied Mut zum Leben machen, weil es einem viel bietet?

„Es was nur ein kleiner Augenblick, einen Moment war ich nicht da“...

Kurz wegschauen und aus versehen etwas Wunderbares verpassen. Solche Gedanken sind nicht selten in unserer Gesellschaft: die Angst etwas zu verpassen. Die Angst nicht mitreden zu können, nicht „up to date‘“ zu sein, sind bestimmt Ängste, die gerade uns jüngere Menschen betreffen.

„Nicht mit Vielen wirst du dir einig sein“ … gleichzeitig ist das nicht so schlimm, denn: Du lebst für dich!

„Manche treten dich, manche lieben dich, manche geben sich für dich auf. Manche segnen dich, setz dein Segel nicht, wenn der Wind das Meer aufbraust“. So ist das im Leben: manchmal ist es jedoch schwer zu erkennen, wer einen tritt und wer einen liebt.

Jesus ist auch Menschen begegnet, die gesagt haben, dass sie ihn lieben würden und am Ende dann doch nicht zu ihm gehalten haben. Petrus zum Beispiel. Er war einer der engsten Freunde von Jesus, hat ihm versprochen, alles für ihn zu tun, konnte das aber nicht halten und hat, als es drauf ankam sogar so getan, als würde er Jesus nicht kennen. Alle Jünger sind weggelaufen, als die Gefahr größer wurde. Jesus aber hat sie nicht verurteilt, sondern zu ihnen gehalten.

Den Tritt spürt man immer schneller, als einem lieb ist. „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer.“ Durchaus wahre Worte. Es ist gut Freundinnen und Freunde zu haben oder die Familie, Menschen, auf die wir vertrauen, wenn unser Weg steinig und schwer wird. In Jesus, Gottes Sohn, haben wir einen, auf den wir uns immer und zu 100% verlassen können, wo Menschen nicht immer standhalten können. Amen

Eine Andacht von Finna und Tove Mohr

Neues Jahr - neue Vorsätze?

08. Januar 2020, Daniela Klockgether - Geistesblitz

Gibt es etwas, dass du dir für dieses Jahr vorgenommen hast? Mehr Sport und weniger Süßigkeiten oder mehr Zeit für Freundschaften und weniger Zeit mit Doofem verplempern, mehr in der Bibel lesen oder nicht so viel Serien gucken... Gerade in der Silvesternacht werden viele Vorsätze gefasst. Ich habe schon vor vielen Jahren damit aufgehört, mir ausgerechnet zum Jahreswechsel ein neues Programm zu verschreiben. Mir macht das irgendwie Druck, dass ich dann die vorgenommenen Dinge nicht einhalte...

Die Jahreslosung für 2020 nimmt mir Druck, lässt Raum für Zweifel und hilft mir mein Glaubensleben zu sortieren: "Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" (Markus, 9,24)

Ein Mann kommt zu den Jüngern und bittet sie, seinen kranken Sohn zu heilen. Doch sie können ihm und den Sohn nicht helfen. Warum eigentlich nicht? Der Mann ist verzweifelt. Dann kommt Jesus dazu. Kann er helfen? Der Mann scheint jetzt verunsichert. Und Jesus verändert die Perspektive: "Alles ist möglich dem, der glaubt!" Hängt die Heilung nun von der Glaubensstärke des Mannes ab? Wann ist der Glaube groß und stark genug? Der Mann kennt seine eigenen Zweifel, das mangelnde Vertrauen und Zutrauen. Wenn er jetzt nicht genug glaubt - bedeutet dass, das sein Junge dann nicht gesund werden kann? Aus eigener Kraft heraus kann er nicht stark genug glauben. Und so wendet er sich voller Ehrlichkeit und Demut an Jesus: "Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" Die Geschichte endet gut: der Junge wird geheilt.

Müsste mein Glaube nicht auch größer und stärker sein? Manchmal zweifle ich. Und die Geschichte sagt mir: meine Zweifel dürfen sein - doch ich kann sie an Jesus zurückgeben. Ein bisschen so, wie das "Ja, mit Gottes Hilfe" bei Trauungen oder Segnungen oder wie im Kinderlied ".... und das, was du allein nicht schaffst, das schaffen wir vereint." Danke dafür!

Ich wünsche euch ein behütetes und gesegnetes neues Jahr!

Eure Daniela

Diese Sehnsucht

16. Dezember 2019, cornelyazemke - Geistesblitz

Wir Menschen sehnen uns.

Nach Dingen, die heil sind.

Wir haben Bedürfnisse: nach Liebe, Zuneigung und Sicherheit. Wir alle tragen eine Art Tank in uns, der gefüllt werden möchte, mit diesen Gefühlen. Wenn er voll ist, dann haben wir das Gefühl, das Leben genießen zu können. Den Tank füllen wir mit Gefühlen, die wir aus unterschiedlichen Quellen bekommen. Es gibt zwei Arten von Quellen, die unendliche und die endlichen.

Wenn wir uns nach den beschriebenen Gefühlen sehnen, suchen wir diese meist in endlichen Quellen: Beziehungen zu Menschen, aber auch in Aktivitäten, Geld, Essen oder dem Handy.

Aber was ist, wenn diese Quellen versiegen. Wenn Beziehungen zerbrechen oder enttäuschen, kein Essen zur Verfügung steht, wenn ich meinem Hobby nicht mehr nachgehen kann und das Geld knapp ist? Dann können wir unseren Tank mit den Gefühlen, die wir durch endliche Quellen erhalten, nicht mehr füllen.

Wo bleibt dann die Lebensqualität?

ABER da ist noch eine Quelle, die niemals enden wird, auf die jeder und jede zugreifen kann und die uns all das im Überfluss schenkt.

Diese unendliche Quelle ist Gott. Gott ist nicht nur Zeiten da, wo es uns schlecht geht und das Leben dunkel scheint. Er ist immer da und freut sich, wenn wir Zeit mit ihm verbringen und uns ihm öffnen, auch wenn uns dies manchmal schwer fällt. Wenn wir die Liebe Gottes jeden Tag in uns tragen, dann ist der Tank immer voll und dann haben wir die Kraft, unsere Liebe an jeden weiter zu geben, weil wir so viel von ihr in unseren Herzen tragen.

Eine Freizeitandacht von Eva und Jette (Danke Euch beiden!)

Sein im Hier und Jetzt

12. November 2019, Berufspraktikant - Geistesblitz

" Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde"

Heute ist es endlich soweit! Ich treffe Freunde wieder, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Dafür stehe ich am Kröpcke und warte, warte auf die, die mir wichtig sind und mit denen ich Zeit verbringen möchte. Währenddessen sehe ich im Herzen Hannovers viele verschiedene Menschen. Sie lachen, unterhalten sich und sind dabei ständig in Bewegung. Niemand rastet für einen Augenblick. Es geht immer weiter. Und so beobachte ich und warte...
Antworte noch auf einige Nachrichten auf dem Handy und dann geht es auch schon los, mit meinen Freunden, in das nächste Kaffee. Die Stimmung ist gut und wir unterhalten uns angeregt! Die Gespräche sind wundervoll, mitreißend, emotional und dennoch sind wir alle nicht immer ganz da und das, obwohl die Stimmung doch so wundervoll ist. Wir sitzen in einem kleinen Kaffee ganz eng beieinander und doch sind wir in manchem Moment soweit weg.
Wir alle sind nicht nur immer an diesem einen Ort und vor allem ich selbst bin gut darin, nicht immer voll dabei zu sein bzw. mich ablenken zu lassen.
In jedem Gespräch vibriert mein Handy, das ist die erste Zeit auch vollkommen in Ordnung, es wird einfach ignoriert, aber irgendwann wird es mehr, die Nachrichten flattern in kürzeren Abständen rein... "Warum so viele Nachrichten? Ist etwas passiert?" auf diesen Gedanken folgt ein weiterer. "Nur ein kurzer Blick" so meine Ausrede für mich selbst. Das Handy ist in meiner Hand und der Bildschirm blitzt auf. Verschiedenste Nachrichten aus Gruppenchats und privaten Gesprächen kommen zum Vorschein. Die Gespräche am Tisch laufen weiter, ich beteilige mich immer noch, aber nicht mehr mit so vielen Worten wie vorher. Einige Nachrichten erscheinen mir wichtig und ehe ich mich versehe, habe ich das Handy schon entsperrt.
"Hmmh, wenn ich ihm jetzt geantwortet habe, muss ich ihr auch antworten, weil ich ja online war..." und so folgt die nächste Ausrede, um weiter die offenen Chats zu beantworten und für mich einen Abschluss zu bekommen.
Von der anderen Tischseite kommt plötzlich: "Hey bist du noch hier? Musst du gerade was Wichtiges klären? Dann mach das eben und dann pack das Ding doch mal weg!"
Auch meine Freunde sind am Chatten, aber der Fokus wird nur kurz und vielleicht nur ein oder zweimal bei so einem Treffen gewechselt, dies auch nur, wenn es etwas für die Rückfahrt zu klären gibt oder mal ein Notfall entsteht und dann wird es durch ein Telefonat geklärt. Ich hingegen weiß oft nicht, wo ich mich gerade befinde.
Physisch ist mir klar, dass ich in diesem Café sitze, aber wo ist mein Geist? Wo sind meine Gedanken? Bin ich gerade in diesem Café mit meinen Freunden, die ich seit Monaten nicht gesehen habe? Oder bin ich gerade in meinem Ehrenamt, weil es dort wichtige Dinge zu klären gibt, für die nächste Veranstaltung? Das geht natürlich nur jetzt und in diesem Moment. Oder plane ich gerade schon das nächste Treffen mit anderen? Für Gespräche mit Personen, die ich eh bald sehe und die keiner Klärung bedürfen? Wo ist eigentlich mein Fokus?
All diese Fragen habe ich mir oft nach den Treffen mit Personen gestellt, die mir wichtig sind. Ich bin oft an so vielen Orten und das nur durch meine ständige Erreichbarkeit.
Die heutige Zeit erfordert Flexibilität und Erreichbarkeit, aber zu welchem Preis? Es hat für mich Jahre gedauert - und ja auch in manchen Situationen dauert es noch - bis ich begriffen habe, dass es schlimmer ist, einer Situation hinterher zu trauern, die ich selbst hätte besser gestalten können.
Die Erreichbarkeit und Flexibilität endet dort für mich, wo die Begegnung beginnt. Der Klingelton wird ausgeschaltet, genau wie die Vibration, und wenn mein Kopf zu befangen ist, dann muss auch das Handy mal komplett ausgeschaltet werden. Die Momente durch einen Chatverlauf oder Bilder wiederzusehen, hat nicht den gleichen Stellenwert für mich wie die Begegnung.
Ein jegliches hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde und wenn die Begegnung beginnt, dann bin ich physisch und geistig an Ort und Stelle. Den Fokus setzen wir selbst, es wird immer Ausnahmen geben. Tage, an denen es einem selbst nicht gut geht, und der Fokus schwankt. Doch an guten und normalen Tagen bestimmen wir, wo wir sein wollen und dann darf das Handy klingeln wie es will!

Wenn ich zu meiner Tasse Kaffee greife und einen großen Schluck daraus nehme und mir die Neuigkeiten anhöre, die im Leben der anderen gerade aufgekommen sind. Oder wenn wir uns lachend gegenüber sitzen und in Erinnerungen schwelgen.

Die Gesellschaft lädt zum Mitreißen lassen ein. Die Geschwindigkeit erhöht sich und viele Dinge im Leben werden immer schneller getaktet. Nur keine Zeit verlieren, denn Zeit ist Geld oder wie es so schön heißt. Doch genau dagegen darf sich gestellt werden, um Momente hervorzuheben, die gerade im Fokus stehen. Diese Momente wahrzunehmen im Hier und Jetzt - und nicht in einem offenen Chat, der nachgelesen wird, weil ich beim Kaffee einer anderen Person beschrieben habe, was ich gerade tue und worüber wir reden.

Lasst euch Zeit für das Hier und Jetzt! Euer Alexander

(Alexander Diße macht seit dem 1. September 2019 bei uns sein integriertes Anerkennungsjahr als Religionspädagoge und Sozialarbeiter)

Da, wo ich bin

09. Oktober 2019, Berufspraktikant - Geistesblitz

Ende Mai war ich für neun Tage in Israel.

Eine kurze Reise, aber sie hat mich wahrscheinlich mehr geprägt als alles andere. So intensiv, so bunt und manchmal auch so emotional. Nicht umsonst hört man meist als Allererstes: "Israel verändert dich, deinen Blick auf die Welt." Bei mir war das so.

Stundenlang könnte ich erzählen von alten Tempeln, Ausgrabungstätten, Templerfestungen, Jerusalem und all den anderen Schauplätzen aus Bibel und Historie. Doch, was mich in Israel am meisten beeindruckt hat, war der Kontrast zwischen eben dieser Historie und dem Modernen.

Als ich das erste Mal im See Genezareth schwimmen gegangen bin, war das am stärksten. Es war abends am zweiten Tag und da noch etwas Zeit vor dem Essen war, ging man also schwimmen. Als wäre es das Normalste der Welt. Für mich war das eines der Dinge, auf die ich mich am meisten gefreut hatte.

Und so stand ich da am Strand. Direkt am Ufer des Sees. Andächtig, fast schon ein bisschen ehrfürchtig. Schließlich war das der Ort der ganzen Geschichten, die ich schon als kleiner Junge gehört und gelesen hatte, die mich bis heute begleiten und faszinieren. Wer weiß, vielleicht ist Jesus ja nur ein paar hundert Meter von hier entfernt übers Wasser gelaufen oder hat dort drüben die Sturmstillung vollbracht. Zu meiner Rechten liegt ein paar Kilometer entfernt Capernaum, wo sich so viele Heilungen und Gleichnisse abgespielt haben. Und dort drüben kann man die andere Seite des Sees sehen: Wie oft er wohl von dort hierüber gefahren ist? Mit diesen Gedanken stand ich da und fragte mich: Kann ich hier jetzt einfach so schwimmen gehen?

Ich muss zugeben, die Frage ist schon ein bisschen dämlich, schließlich steht der "Bademeister" nicht aus Spaß hier und auch die anderen Menschen am und im Wasser sind möglicherweise ein Indiz dafür, dass schwimmen hier durchaus erlaubt ist. Möglicherweise!?

Besonders in diesem Moment - aber in Israel ganz oft - ist mir bewusster geworden, dass bei all den Orten wo Jesus und all die anderen biblischen Personen vielleicht einmal waren und gewirkt haben, wo jetzt meist eine Kirche steht und sich die Touristen scharen, dass sich wirklicher Glaube, wirkliche Spiritualität für mich nicht darin zeigt und fest macht, was mal gewesen und passiert ist. Sondern: Glauben zeigt sich im lebendigen Leben in all seinen Facetten und Farben!

So kann ich für mich sagen, dass bei all den tollen Eindrücken es nicht die Ruinen und alten Stätten aus der biblischen Zeit waren, sondern das gemeinsame Leben im Glauben, das mich spüren ließ: Gott ist überall! Er immer für mich da und es ist dabei ganz egal, ob ich nun im See Genezareth oder im Blauen See in Garbsen schwimme.

Da, wo ich bin! Da ist auch er!

Ganz oft liest man in der Bibel die Worte "Ich bin bei dir". Ich bin bei dir, um dich vor Feinden zu schützen, dir die Furcht zu nehmen oder dich auf deinen Wegen zu begleiten. So spricht Gott. Da wo ich bin, bist auch du! Immer, überall, ohne Pause. Ist das nicht toll, eine solche Gewissheit zu haben. Ich finde: das ist großartig, supercalifragilisticexpialigetisch oder welches Wort auch immer für einen selbst am besten passt.

Da wo ich bin, bist auch du!

Zugleich ist das aber auch nur eine sehr schöne Phrase. So wie diese wunderbar nichtssagenden Sätze, die man nach jedem Fußballspiel von den Trainern und Spielern zu hören bekommt, um sich dann zu fragen, wie es möglich ist, so wenig inhaltliche Aussagen in fünf Minuten so schön zu verpacken.

Aber zurück zu meiner Erfahrung mit diesem Satz, denn auch mir ist das irgendwie schwer gefallen, ihn mit Inhalt zu füllen. Dauernd wurde gesagt, Gott ist immer da, er lässt dich nie im Stich. Schön und gut, aber so schwer zu greifen. Hin und wieder gibt es dann so Momente, wo ich es wirklich fühle: "Da wo ich bin, bist auch du!" Genau so ein Moment war das am See Genezerath für mich. Da war ich mir sicher: egal wo ich bin, da bist auch du, Gott; und egal wo du bist, bin auch ich. Für mich kann ich diese Worte jetzt mit Inhalt und das, wie gesagt, egal wo ich bin. Das, finde ich, ist wirklich großartig, supercalifragilisticexpialigetisch und jedes andere Wort.

Da wo ich bin, bist auch du!

Gute Wege! Euer Nils

(Nils Timm war ein halbes Jahr Praktikant im Ev. Stadtjugenddienst, der Jugendkirche und in verschiedenen Jugendzentren. Seit Anfang Oktober studiert er Ev. Theologie in Hamburg.
Gottes Segen für Deinen Weg, Nils!)

Wegen Umzug abzugeben...

10. September 2019, Torsten Pappert - Geistesblitz

Es ist einer dieser kleinen Zettel.Ein Vordruck. Mit Hand beschrieben. Ein bisschen krakelig.

"Wegen Umzug abzugeben: zwei männliche Zwergkaninchen. Schwarz und braun."

Ich stehe vor der Pinwand im Supermarkt meines Vertrauens. Und ich wundere mich.

Gibt es ernstlich einen Markt dafür? Für schwarze und braune Zwergkaninchen? Männlich?

Der Zettel sticht schon ein bisschen heraus zwischen allen anderen. Stellen werden gesucht, zur Aushilfe. Ein paar Möbel. Etwas Verlorenes vermisst. Eine neue Wohnung.

"Wegen Umzug abzugeben..." Etwas zurücklassen und aufgeben, weil es nicht passt in das Neue.

Passiert übrigens in der kirchlichen Jugendarbeit andauernd. Oder mit den so engagierten Gemeindejugendlichen. Weg von zu Hause. Zur Ausbildung. Zum Studium. Weil es hier keine Arbeit gibt.

Und was passiert? Natürlich suchen sie einen kirchlichen Anschluss, da wo sie angekommen? Nicht wahr?

Meistens nicht,nein. Meistens kommt es anders.

"Wegen Umzugs abzugeben..." ist dann viel von dem, was bisher das Leben geprägt hat. Die Fremde, das Neue, das soll nicht einfach die Forstsetzung sein des alten an anderem Ort. Da bin ich bewusst dann mal bewusst der "verlorene Sohn" und die "verlorene Tochter".

Die bergende Heimat, die routiniert-vertraute Abgeschlossenheit der Kirchengemeinden und kirchlichen Angebote war gut. Aber sie war es. Und sie hat nichts zu tun mit der einladend-gefährlichen Fremde. Sie hat nichts zu tun mit der Herausforderung, ich selber sein zu müssen und zu wollen und zu dürfen.

Die Kirche als alte Heimat ist wie die Eltern: Man lässt sie zurück und hofft, dass sie - wenn es einen wieder mal nach Hause zieht - immer noch so aussehen wie am Tag, als man aufgebrochen ist. Auch wenn das Unsinn ist. Auch deren Leben lebt sich weiter.

Ist das nicht irre schade? Dass uns welche verloren gehen, die ihren Weg erst noch suchen? Ist das nicht irre schade? Dass wir als Kirche den Weg verloren haben.

Jesus zu begegnen war einmal lebensgefährlich. Aber keine Angst! Das ist lange her. Da stand ein Wanderer, wie ein jüdischer Rabbiner. Wild und gefährlich. Und konfrontiert einen mit dem Anspruch Gottes. Dem unbedingten Anspruch, alles stehen und liegen zu lassen und ihm zu folgen. Raus aus dem, was du bisher gelebt hast! Weg von der Routine! Entfessele die Unsicherheit für die Gewissheit Gottes!

Jesus hat den Preis dafür bezahlt. Oder anders: er hat die passende Antwort bekommen. Ans Kreuz, festgenagelt. Schluss mit Rumlaufen und Herausfordern.

Und seitdem hängt er da. Zwei Jahrtausende hölzern und festgeheftet an Kreuzen. In zahllosen Kirchen rund um den Globus. Manchmal sogar betoniert.

Mit dem festgetackerten Jesus ist sie dann vieles geworden, diese Kirche. Machtinstrument, Seelenkontrolleur, Wirtschaftsmaschine... Und dann: Heimat, der Dorfersatz, das geordnete kleine Gemeinwesen, die Begleiterin in den Übergängen des Lebens, ein Museum verdrängter Gefühle, die Wohlfahrtsindustrielle...

Irre schade eigentlich, dass aus der Herausforderung, von der Jesus so unbedingt gesprochen hat, so wenig geblieben ist - auch für die Kirche selber.

"Wegen Umzug abzugeben..." Das ist die Wirklichkeit. Wenn Menschen umziehen ins wirkliche Leben, dann finden sie dabei keine Herausforderung mehr, keinen, der ihnen die Anforderung Gottes weitersagt. Sie finden dort nichts. Nur hinter sich, eine Kirche, die immer "Komm doch zurück!" ruft. Aber dieser Weg ist versperrt. Das Leben liegt nicht hinter mir, sondern vor mir.

Irre schade eigentlich, dass die Kirche nicht die Nägel rauszieht und ihn freigibt, diesen Jesus. Damit er wieder herausfordert, damit er wieder sagen kann, dass Gottes Nähe auf dem Weg ist, im Nachfolgen und nicht im fest ummauerten Raum.

Wann lernen wir also wieder, dass dieser Mann lebensgefährlich ist?

Wann?

Hoffentlich bevor an unseren Kirchen steht: "Wegen Umzug abzugeben! Gott".

Sommer in Spanien 2019

18. August 2019, cornelyazemke - Geistesblitz

Hey, alles glänzt - so schön neu!
Hey, wenn es dir nicht gefällt - mach es neu!

Das Schuljahr vorbei, die Zeugnisse verteilt. Die Sonne so unendlich heiß. Die Freibäder wegen Überfüllung geschlossen. Sommer 2019...

Motte die Klamotten ein und dann geh ich nackt shoppen...

Gute Idee! Die Klamotten für den Urlaub gekauft Koffer gepackt und dann ab nach Spanien in einer Gruppe mit neuen oder schon bekannten Gesichtern. Zwei Wochen Pause - raus aus dem Trott.

Ich hab meine alten Sachen satt und lass sie in `nem Sack verrotten...

Irgendwann ist die längste Fahr vorbei - 22 Std. Neu und unbekannt die Zeit und das Ziel. Neue Bude, fremde Betten, Koffer ausgepackt - mal sehen wer noch hier ist...

Schluss mit dem Larifari! Ich lass die alten Faxen sein...

Gelingt mir das?

Nur noch konkret reden - gib mir ein "Ja" oder "Nein."

Gegend erkundet, Pool erobert. Schlechtes Wetter - na und?- Ab ins Meer! Mit dem Mountenbike auf den Berg. In der Bucht Fische gucken. Von Baum zu Baum klettern. Sich vor nichts fürchten - am wenigsten vor den Wellen. Gott, was ist das großartig!

Ich bin euphorisiert und habe teure Pläne ...

Barcelona - Einkaufsmeile. Souvenirs, Geschenke - die schönsten kann man eh nicht kaufen, die sind umsonst: Erfahrungen, Spaß, Miteinander ohne Streit - und wenn: Alles ist lösbar, alles ist machtbar! Einmal der Unendlichkeit ein kleines Stück nah sein und dir Gott...

Und Zuhause? Glänzt vielleicht nicht alles so, aber hey ...

... wenn's dir nicht gefällt - mach es neu!

(frei nach Peter Fox und ganz nach Team und Teilnehmer*innen der Sommerfreizeit Spanien 2019)

Game of Thrones

01. Juli 2019, Berufspraktikant - Geistesblitz

Valar Morghulis, Dracarys, Winter Is Coming - Sätze, die nur Personen verstehen, die Games of Thrones gesehen haben. Das Lied von Eis und Feuer aus der Feder von George R. R. Martin ist eine wunderbare Geschichte mit Charakteren, über die ich stundenlang erzählen könnte. Der Kampf um den eisernen Thron hat weltweit viele Fans. Zugegeben, ich kenne GoT erst seit sie als Serie veröffentlicht wurde, doch keine andere Serie hat es je geschafft, mich so zu begeistern, dass ich mir das Buch geholt und gelesen habe.

Der ein oder andere Leser wird bestimmt bemerkt haben, dass mir die Geschichte sehr am Herzen liegt. Neben der Welt faszinieren mich am meisten die Personen. Keine Person ist grundlos dort, jede hat ihren Platz und das Handeln einzelner Charaktere ist logisch. Die Intrigen und die Suche nach Verbündeten in einer Welt, in der man im Grunde niemanden trauen darf, macht es doppelt spannend. Ich war nicht nur voll dabei, sondern auch mittendrin. Sieben Staffeln hatte es bereits gegeben und mit der achten Staffel sollte es enden. Dieses Ende sollte das Meisterwerk der Geschichte werden, denn vieles aus den voran gegangenen Staffeln wurde nun zusammengeführt.
Auf dieses Ende habe ich mich gefreut. Die Staffel wurde von Folge zur Folge veröffentlicht und ich habe mir sie von Folge zu Folge angeschaut. Ich sah großartige Bilder, hervorragende schauspielerische Leistungen und viele dramatische Szenen. Nach der letzten Folge habe ich mich trotzdem gefragt - DAS SOLL JETZT DAS ENDE SEIN?

In dieser Staffel war das Handeln der Charaktere nicht mehr logisch, sondern teilweise dämlich. Manche Personen, die in vorherigen Staffeln eine Rolle gespielt hatten, waren plötzlich wie ausradiert. Und wer am Ende auf dem eisernen Thron saß, war nicht nur unerwartet, sondern auch vollkommen absurd.
Ich war enttäuscht. Und es ging nicht nur mir so. Etliche andere Fans hatten bereits eine Petition unterschrieben, in der gefordert würde die achte Staffel neu zudrehen.

Meine Enttäuschung ob der achten Folge ist vergleichbar mit der von zwei Männern, die auf der Straße unterwegs waren. Ihr Gesichtsausdruck war dermaßen enttäuscht, dass sich ein Passant zu ihnen wendete und sie fragte, was los sei. Die beiden waren verdutzt und antworteten: "Alter, hast du das mit Jesus nicht gehört? Der hatte vieles drauf. Über Gott reden und Kranke heilen. Er war so krass drauf wie ein Prophet und wir dachten, er wird ganz Israel erlösen. Aber dann haben die Hohepriester ihn hingerichtet und es kommt noch schlimmer: Die Leiche von Jesus ist weg und ein Engel ist erschienen, der sagte, er würde leben. Wir haben kein Plan, was das zu bedeuten hat. Wir waren solange mit ihm unterwegs - DAS SOLL JETZT DAS ENDE SEIN?"

Die beiden haben wie ich eine Geschichte durchlebt. Sie waren wie ich nicht nur dabei, sondern mittendrin. Jesus war für sie der Erlöser, an den sie geglaubt hatten und nun war er tot und weg.

Es ist nicht schön, wenn eine Geschichte so kacke endet - ABER IST DAS DAS ENDE?

Was die beiden Männer nicht wussten ist, dass der Passant Jesus war, der zu ihnen sprach. Es ist wahr. Er wurde hingerichtet und ist gestorben. Und doch steht er vor den beiden, lebt und die Geschichte geht weiter.

Die Geschichtet ist bis heute noch nicht aus erzählt. Sie geht weiter mit dir!
Wie mit den beiden, die so enttäuscht waren, ist er auch bei dir und die Story wird weitererzählt.

Das Ende von GoT ist durch. Für jeden Fan kann ich aber die Geschichte aus der Bibel empfehlen. Denn die ist noch lange nicht durch.

(Stefan Weisser)