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Game of Thrones

01. Juli 2019, Berufspraktikant - Geistesblitz

von Stefan Weisser

Valar Morghulis, Dracarys, Winter Is Coming - Sätze, die nur Personen verstehen, die Games of Thrones gesehen haben. Das Lied von Eis und Feuer aus der Feder von George R. R. Martin ist eine wunderbare Geschichte mit Charakteren, über die ich stundenlang erzählen könnte. Der Kampf um den eisernen Thron hat weltweit viele Fans. Zugegeben, ich kenne GoT erst seit sie als Serie veröffentlicht wurde, doch keine andere Serie hat es je geschafft, mich so zu begeistern, dass ich mir das Buch geholt und gelesen habe.

Der ein oder andere Leser wird bestimmt bemerkt haben, dass mir die Geschichte sehr am Herzen liegt. Neben der Welt faszinieren mich am meisten die Personen. Keine Person ist grundlos dort, jede hat ihren Platz und das Handeln einzelner Charaktere ist logisch. Die Intrigen und die Suche nach Verbündeten in einer Welt, in der man im Grunde niemanden trauen darf, macht es doppelt spannend. Ich war nicht nur voll dabei, sondern auch mittendrin. Sieben Staffeln hatte es bereits gegeben und mit der achten Staffel sollte es enden. Dieses Ende sollte das Meisterwerk der Geschichte werden, denn vieles aus den voran gegangenen Staffeln wurde nun zusammengeführt.
Auf dieses Ende habe ich mich gefreut. Die Staffel wurde von Folge zur Folge veröffentlicht und ich habe mir sie von Folge zu Folge angeschaut. Ich sah großartige Bilder, hervorragende schauspielerische Leistungen und viele dramatische Szenen. Nach der letzten Folge habe ich mich trotzdem gefragt - DAS SOLL JETZT DAS ENDE SEIN?

In dieser Staffel war das Handeln der Charaktere nicht mehr logisch, sondern teilweise dämlich. Manche Personen, die in vorherigen Staffeln eine Rolle gespielt hatten, waren plötzlich wie ausradiert. Und wer am Ende auf dem eisernen Thron saß, war nicht nur unerwartet, sondern auch vollkommen absurd.
Ich war enttäuscht. Und es ging nicht nur mir so. Etliche andere Fans hatten bereits eine Petition unterschrieben, in der gefordert würde die achte Staffel neu zudrehen.

Meine Enttäuschung ob der achten Folge ist vergleichbar mit der von zwei Männern, die auf der Straße unterwegs waren. Ihr Gesichtsausdruck war dermaßen enttäuscht, dass sich ein Passant zu ihnen wendete und sie fragte, was los sei. Die beiden waren verdutzt und antworteten: "Alter, hast du das mit Jesus nicht gehört? Der hatte vieles drauf. Über Gott reden und Kranke heilen. Er war so krass drauf wie ein Prophet und wir dachten, er wird ganz Israel erlösen. Aber dann haben die Hohepriester ihn hingerichtet und es kommt noch schlimmer: Die Leiche von Jesus ist weg und ein Engel ist erschienen, der sagte, er würde leben. Wir haben kein Plan, was das zu bedeuten hat. Wir waren solange mit ihm unterwegs - DAS SOLL JETZT DAS ENDE SEIN?"

Die beiden haben wie ich eine Geschichte durchlebt. Sie waren wie ich nicht nur dabei, sondern mittendrin. Jesus war für sie der Erlöser, an den sie geglaubt hatten und nun war er tot und weg.

Es ist nicht schön, wenn eine Geschichte so kacke endet - ABER IST DAS DAS ENDE?

Was die beiden Männer nicht wussten ist, dass der Passant Jesus war, der zu ihnen sprach. Es ist wahr. Er wurde hingerichtet und ist gestorben. Und doch steht er vor den beiden, lebt und die Geschichte geht weiter.

Die Geschichtet ist bis heute noch nicht aus erzählt. Sie geht weiter mit dir!
Wie mit den beiden, die so enttäuscht waren, ist er auch bei dir und die Story wird weitererzählt.

Das Ende von GoT ist durch. Für jeden Fan kann ich aber die Geschichte aus der Bibel empfehlen. Denn die ist noch lange nicht durch.

Farben am anderen Ende der Welt

04. Mai 2019, meikeandres - Geistesblitz

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. (Lutherbibel 2017, Gen. 1, 1-3)

Ohne Licht sind alle Katzen grau, aber mit Licht ...... bähm: die Welt ist bunt! Nicht nur die Katzen, nein, alles ist bunt!

Mit dem Licht hat Gott nicht nur alles sichtbar gemacht, er hat auch "Farbe ins Spiel", ins Leben gebracht. Nicht alles Ton in Ton, nicht nur fröhliches mausgrau, behäbiges steingrau und aussagekräftiges hellgrau, nein: es gibt rot, gelb, blau und alles, was man daraus machen kann!

Ich habe mir dieses Jahr einen großen Traum erfüllt und bin nach Australien gereist. Dort war Vieles beeindruckend, aber am Meisten haben mich die Farben fasziniert: das Blau des Himmels, das Türkies des Great Barrier Reefs, das Grün des Regenwalds, das Rot des Outbacks, das Orange des Ulurus, die bunte Schlage im Herren-WC, das Weiß der Milchstraße, das Gelb des Mango-Daiquiries und der Sonne. Australien ist ein sehr buntes Land.

Und als ich dann wieder nach Hause kam stellte ich fest: auch hier ist es bunter geworden: die Blumen blühten, es waren wieder Blätter an den Bäumen und auch in Hannover kann die Sonne scheinen! Auch Deutschland ist ein buntes Land. Ich mag bunt. Ich mag Farben.

Ich mag Licht.

Besonders, weil ich auch das dunkle, feuchte, graue Wetter / Leben kenne.

Gerade, weil ich auch das dunkle, feuchte, graue Wetter / Leben kenne.

Wenn ich etwas mag, dann habe ich auch Spaß daran. Wenn ich an etwas Spaß habe, bin ich wesentlich besser drauf. Geradezu fröhlich bin ich dann.

Ich vermute mal, dass das nicht nur mir so geht. Bunt macht froh - die Vögel singen, die Menschen treibt es wieder in die Natur und in die Eiscafés, das Leben findet nicht mehr in den Häusern, sondern draußen statt. Alles ist leichter.

Nur, weil jemand Licht angemacht hat, nur weil die ganzen Farben, das Bunte, die Vielfalt wieder sichtbar ist.

Und nun habe ich mir vorgenommen, es wie die Maus Frederic zu machen: ich ernte die ganzen Farben, die Wärme, das Helle und bewahre es für die blöden Zeiten auf - um mich dann zu erinnern, wie bunt und schön die Welt ist. Es muss nur einer das Licht anmachen.

Geschaffen hat Gott es schon. Ganz am Anfang.

Gott ist HOT

10. April 2019, Steffi Krapf - Geistesblitz

Neulich flattert mir eine Einladung ins Mailfach. Das beruhigende Foto zeigt auf honigfarbenem Holz flauschig zusammengerollte weiße Handtücher und eine kleine pinke Orchideenblüte, darüber prangt der Slogan Gott ist HOT. Ein Wellnesstag in der Saunalandschaft AquaLaatzium mit Impulsen und Meditation. Die inspirierende Idee zu diesem Format im Jahr der Freiräume hatte die großartige Anne P. aus der Gospelkirche und sie hatte auch alles gleich geplant und organisiert!So ne Art Schwitzen mit Gott in christlicher Gemeinschaft. Cool, äh beziehungsweise heiß, denke ich mir und sage begeistert zu. Sauna ist eh so komplett meins, also einfach mal ausprobieren. Im Vorfeld bekommen wir noch eine Packliste. Neben dem obligatorischen Zeugs wie Bademantel, Schlappen und Handtuch, benötigen wir Notizbuch, Stift, Bibel, Kopfhörer und Musikabspielgerät - also Handy, um darauf ausgewählte Songs zu laden - den Freiräume-Song und vier von Johannes Falk.

An einem Montagmorgen treffen wir uns im AquaLaatzium. Sechs Frauen wollen erproben, ob Gott hot ist. Dieser scheint unsere Aktion wohl gut zu heißen, denn nach elendigen Wochen, in denen sich der Himmel ausschließlich grau in schwarz zeigte, es unermüdlich regnete, stürmte und Kälte vorherrschte, ist heute endlich mal der Himmel auf und blau und die Sonne strahlt und wärmt. Ein bisschen aufgeregt und kribbelig bin ich schon und in weiser Voraussicht habe ich mir auch noch eine Tüte Mut mit eingepackt. Denn mal ehrlich, Christsein ist ja heutzutage alles andere als en vogue. Und wenn du dann in der Sauna, also im säkularen Raum, die Bibel wälzt oder Händchen haltend im Kreis stehst, dabei noch summst, gemeinschaftlich betest, Leibesübungen oder andere seltsame Handlungsweisen vollziehst, dann denken doch alle, du hast komplett einen an der Waffel! - Hmm, hab ich ja auch, aber... Nun ja und dann müssen wir ja auch noch verbotener Weise unsere Handys mit in die Saunalandschaft schmuggeln, auch wenn wir damit nicht lautstark rum telefonieren wollen, sondern nur die Songs für die Impulse abhören, aber trotzdem... Ein bisschen verrucht besser untergründig komme ich mir schon vor.

Zur Begrüßung umarmen wir uns herzlich, auch wenn sich einige untereinander nicht (oder noch nicht) kennen. Die gemeinsame Aktion und das Christsein verbindet uns. Eine verschwörerische kleine Frauentruppe, die das Leben und Gott in der Sauna gemeinschaftlich zelebrieren und feiern will. Anne verteilt an alle einen Briefumschlag mit Ablauf und Tages-Impulsen. Wir passieren die Eingangsschleuse, werfen uns in unsere Bademäntel und sammeln uns zum ersten Impuls. Mitten in der Saunahalle in einem Rondell neben dem Springbrunnen bilden wir wie selbstverständlich einen Kreis, popeln möglichst unauffällig die Kopfhörer in die Ohren, die Handys heimlich in der Bademanteltasche und hören den Freiräume-Mottosong. Mit der Frage "Welche 5 Kubikmeter willst du aus deinem Leben freiräumen?" gehen wir in die Suvi-Sauna zum Blutorangenaufguss.

Schwitzend sinniere ich darüber, was ich bei mir ausmisten will, um meinem Selbst nahe zu kommen, das unter einem Müllhaufen aus antrainierten Verhaltensweisen dahin vegetiert und auf Entfaltung wartet. Die schweren Eisenkisten aus meinem Keller müssten endlich mal weg, auf dem Recyclinghof entsorgen oder so. Und meine innere Schweinehündin Herta, die mich lähmt, zurückhält und misstrauisch ängstlich verharren lässt, könnte ich jetzt mal in den wohlverdienten Ruhestand versetzen. Ich brauche keinen Wachhund mehr. Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht! Naja, und dann noch die ganzen Erwartungen anderer, die mich an die Kette legen und laufen lassen wie ein Zirkuspferdchen. Die Tipps und Ratschläge: Du musst dieses, du musst jenes, so und so muss du sein! Andere kann ich nicht ändern, aber mich selbst! Und ich möchte nicht funktionieren, sondern leben. Lebendig sein! Dieser ganze fremdbestimmte Müll musste weg. All das Schwere, Belastende, Lust abtötende, das Dumpfe, Emotionslose, Lieblose, Verstellte. Nicht authentisch sein, mich verstellen, um in einer Scheinwelt anderen Menschen zu gefallen oder deren Aufträge zu erfüllen. Wir sollen uns nicht in Knechtschaft anderer Menschen begeben, sondern ausschließlich Gott dienen, sagt die Bibel.

Gott war im Flow als sie die Welt gemacht hat. Spielerisch leicht schuf sie Tag und Nacht, Himmel und Erde, Pflanzen, Tiere, Menschen. Alles lebendig, vital, einzigartig. "Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen von Gott." sagt die Lust (Sprüche 8, 22ff.) Nicht am Reißbrett, nicht am Fließband, nicht monoton, routiniert, angestrengt hat Gott die Welt gemacht, nicht aus Kosten-Nutzen-Kalkül, sondern inspiriert, spielerisch, lustvoll, liebend, leicht. Leicht nicht schwer!

Es riecht verführerisch gut nach Blutorgange und der Schweiß rinnt an meinem Körper hinunter. Einfach rausschwitzen das Giftige, Falsche, das Quälende, das Starre, Angestrengte, das Schwere, stumpfe Dumpfe. Einfach rausschwitzen den ganzen Müll, der meine eigene Lebendigkeit und Lust verkleistert und verklebt. Rausschwitzen und abspülen! Die eiskalte Dusche nach dem Saunagang wirkt reinigend und belebend. Ich stapfte noch durchs mega eiskalte Fußbecken mit den kantigen Kieselsteinen auf dem Grund. Nach diesem Heiß Kalt zischt es in meinem Körper, meine Lebensgeister sind geweckt, mir wird wohlig warm.

Chillen und Sinnieren ist bis zum nächsten Impuls angesagt. Ich lege mich auf eine Liege im Freien, gut eingemummelt in eine Decke, blinzele in die Sonne und höre Fallen lassen von Johannes Falk:
Wir verstecken uns hinter löchrigen Fassaden und unser Leben gleicht oft einer Maskerade.
Wir haben verlernt, unsere Schwächen zu zeigen und sind ganz vorn dabei, gegen unsere Ängste zu streiken, ertrinken im Frust und sind innerlich zerrissen.
Wir schwimmen mit dem Strom, um Stärke zu demonstrieren und fahren gegen die Wand, anstatt die Kurve zu kriegen.
Dabei könnten wir uns Fallen lassen in die Arme, die uns halten.
Wir sollten faaaaaaaallen, in die Arme des Unsichtbaren.

Ja, Maskerade, genau! So oft setze ich Masken auf, zum Beispiel die permanent Fröhliche. Warum eigentlich? Um anderen meine krasse Emotionalität nicht zuzumuten? Meine große Traurigkeit? Dabei ist es schön, miteinander zu weinen. Innige Momente. Angenommen sein, so wie ich bin. Trost. Doch mit meiner penetranten Lache übertünche ich oft meine Traurigkeit. Viel zu oft. Nach wie vor habe ich habe Angst zu fallen, mich fallen zu lassen, obwohl ich mich so sehr danach sehne. Vertraue ich Gott nicht? Noch nicht genug?

Zum nächsten Impuls treffen wir uns auf der Turmspitze über der Suvi-Sauna mit weiten Blick in die Leinemasch. Anne liest aus der Bibel und dann hören wir den Song Alles was ich bin. Eine Art Liebeslied an die Liebe, an Gott. Gott ist die Liebe und Gott in uns, die Liebe in uns. Wir können lieben! Das schönste, größte, wärmste, vitalste, überwältigende Gefühl. Die Liebe. Quelle allen Lebens. Goldene Ströme, rauschende Wasser, licht durchflutete Wälder, rotes pulsierendes Blut, Lebendigkeit. Vollkommenheit.

Beim folgenden Saunagang ziehen meine geliebten Menschen an mir vorüber. Es sind viele. Mein Herz füllt sich. Es fühlt sich voll an. Gut voll. Ich grinse breit. Ein bisschen verschmitzt denke ich noch: Ja, es gelingt mir zunehmend auch, mich selbst zu lieben und zu achten.

Mein Bauch sagt Hunger. Den anderen geht es ähnlich und so schmausen wir gemeinsam im Saunarestaurant Vital-Salat, Fish&Chips und weitere Köstlichkeiten.
Nach dem Essen stellen wir uns für den dritten Impuls gleichmäßig verteilt um das Kaltwasserschwimmbecken. Mit geschlossenen Augen am Beckenrand stehend hören wir den Song Nasse Füße und sollen während des Songs das kalte Wasser mit den Fußsohlen berühren. Verblüfft stelle ich fest, das Wasser ist gar nicht kalt, sondern angenehm warm! Meine Erwartungen gebrochen. Ich öffne die Augen und bemerke eine Frau, die ins Becken steigt und uns seltsam misstrauisch beäugt. Kein Wunder, ist bestimmt komisch, wenn sechs Frauen mit verstöpselten Ohren, im Kreis ums Becken stehen und verklärt in den Himmel schauen. Irgendwie hatte ich auch ganz vergessen, dass heute ja Montag und nicht Sonntag ist, und dass unser Gottesdienst in der Sauna stattfindet. Egal!

Nach der Banja mit tropfenden Birkenzweigen bei 100 Grad, gehe ich in den Ruheraum. Das Kaminfeuer knistert behaglich und ich sinke in einen wohligen Schlummer. Zum nächsten Impuls komme ich zu spät. Alle hantieren mit Bauklötzen und Stiften herum. Anne erklärt mir das geschäftige Treiben. "Wir bauen uns unsere neuen Welt. Alles, was wir dafür benötigen, schreiben wir auf einen Klotz." Ich nehme eine Handvoll und lege los. Liebe! Freiheit! Geborgenheit! Klar, das muss auf jeden Fall mit in die neue Welt. Aber was ist mit all dem, was es hier schon gibt? Die vielen tollen Blumen, das tränende Herz, meine Lieblingsblume, Rittersporn, Märzenbecher, Maiglöckchen, Tulpen, Löwenzahn, Gänseblümchen, Rosen - für Jesus die Christrose und für den Heiligen Geist die Pfingstrose. Und der betörende Duft der Rosen, hmmm! Ach ja, Düfte, ganz viele unterschiedliche Düfte! Die müssen ja auch mit! Der umwerfende Duft blühender Linden zum Beispiel. Und die Linde an sich, so groß und breit, wo sich Verliebte küssen und Herzen in die Rinde ritzen, muss selbstverständlich auch mit! Muss ich das jetzt alles auf ein Klötzchen schreiben? Die reichen doch gar nicht aus! Pragmatisch fasse ich zusammen. Ein Klötzchen für Düfte, eines für Blumen, eines für Pflanzen, eines für Bäume. Und Musik? Instrumente? Ich spiele doch so gern Kontrabass und Klavier? Und Cello, Geige, Pauke, Saxophon, der silbrige Klang der Querflöte und das Bandoneon? Ach ja, getanzt soll in der neuen Welt ja auch werden. Tango! Argentinischer Tango. Heiße Leidenschaft! Das muss alles mit in die neue Welt! Und das Meer? Das beruhigende Meer, ich liebe die Ostsee, die Steilklippen, mit Buchenwäldern bestückt. Und das Mittelmeer! Die kleinen Fischerdörfchen. In einer kretischen Taverne sitzen. Aber auch der Atlantik hat seinen Reiz, das Ungestüme, Wilde! Und der Mond überm Meer. Die Sonne. Und dann noch die vielen tausend funkelnden Sterne. Alles so schön. So schön gestaltet. Ach was schön, vollkommen! Ganz, rund, heile! Alles schon da und wunderbar! Das muss dann doch alles mit in meine neue Welt! Oder nehme ich die Aufgabe mal wieder zu ernst? Bin ich zu perfektionistisch? Habe Angst etwas zu vergessen? Nein, das was Gott geschaffen hat, ist wirklich richtig toll. Nur wir Menschen, machen vieles davon kaputt... Ich muss noch so viel aufschreiben, aber es gibt kein Holzklötzchen mehr, dabei habe ich noch gar nicht meine Lieblingsspeisen aufgeschrieben, genussvoll Essen will ich ja schließlich auch in meiner neuen Welt!

Nach dem Lappland-Aufguss, bei dem wir nach finnischer Art bei einem Getränk in der Sauna plaudern, sitzen wir sechs Frauen bei Feuerkaffee im gemütlichen Aufenthaltsraum. Anne liest uns die Schöpfungsgeschichte vor. Und siehe, es war gut! Und dann bauen wir unsere neue Welt. Aus den beschrifteten Holz-Klötzchen - Liebe, Geborgenheit, Freiheit, Sinnenfreuden, Tanz, Musik, Duft und den neuen ICEs mit Balkonen entsteht unser Bauwerk, das irgendwie einer Arche gleicht. Und was machen wir jetzt damit? Kein Foto! Unsere Arche bleibt in unseren Herzen. "Wir verteilen einfach die Holzklötzchen unauffällig an markanten Stellen auf dem Saunagelände." Das ist die Idee! Verschwörerisch schmunzeln wir uns zu. Jede von uns schnappt sich zwei Handvoll Holzklötze und wir schwärmen aus. Als ich das Klötzchen mit Liebe an einem lauschigen Plätzchen im Freien am Fuß einer Bank platziere, stelle ich mir vor, wie ein verliebtes Paar das Klötzchen findet und das als Zeichen wertet, mir wird ganz warm.

Zum Ausklang des Tages gehen wir Frauen bei einem netten Griechen essen und teilen unser Erlebtes. Wir verabschieden uns und sind uns einig: Gott ist HOT!

Es ist schon lange dunkel. Ein wunderbarer Tag neigt sich dem Ende zu. Ich bin erfüllt, fühle mich wohlig warm, sauber und rein, irgendwie ganz. Auf dem Nachhauseweg denke ich an Gott. Sie hat das Paradies auf Erden bereits geschaffen und uns Menschen mit wunderbaren Fähigkeiten ausgestattet - der Liebe und der Lust. Aber wir Menschen vermüllen unseren Garten Eden und lassen unsere von Gott gegebene Kernkompetenz verkümmern. Warum eigentlich?

Closed ten minutes for praying

05. März 2019, martinawittke - Geistesblitz

Als ich vor einem guten Jahr in der Sinai-Wüste unterwegs war, war ich u.a. einige Tage in Dahab. Einem unter Taucher*innen bekannter und beliebter Urlaubsort am Roten Meer. Ich kam gerade aus einer siebentägigen Wüstensafari, auf der es mich, das gestehe ich gern, beeindruckt hat, wie regelmäßig die Beduinen ihren Gebetsteppich im Nirgendwo ausrollten und beteten. Da wurde jede Wanderung, jede Essenzubereitung, jede Tätigkeit unterbrochen, die Hände und Füße gewaschen, der Teppich in den Sand gelegt und gebetet.

Zurück in Dahab, in der Zivilisation, in diesem gut besuchten Urlaubsort, mitten unter Händlern, Touristen, dem ganzen Trubel, wollte ich in ein Geschäft, in dem ich schon eine Woche vorher etwas gekauft hatte. Endlich gefunden, war die Tür verschlossen und es hing ein Zettel dran: Closed 10 minutes for praying. Wie cool ist das denn, dachte ich mir, der macht einfach seinen Laden zu und geht beten! … Die Kundschaft muss dann mal warten oder woanders einkaufen.

Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn ich das in meinem Alltag machen würde… Ach, was ich mir nicht schon alles vorgestellt habe … und dabei blieb es dann auch … erstmal.

Mitte Januar hatte ich Besuch von einer Freundin, die mich auf eine APP der Landeskirche aufmerksam machte: XRCS, steht für Exercise. Einige von euch kennen sie vielleicht. Die App ist eine Unterstützung, um mitten im Alltag inne zu halten und Gottes Gegenwart zu entdecken. Beim Einrichten der APP kann ich wählen zwischen Inspiration und Exerzitien. Möchte ich mir ein, zwei oder dreimal am Tag dazwischen funken lassen, entscheide ich mich für Inspiration. Will ich eine jahrhundertealte Tradition neu entdecken, wähle ich Exerzitien, die helfen, die eigene Spiritualität zu vertiefen. Ich habe mich die ersten vier Wochen für die Exerzitien entschieden.

Nun wurde ich dreimal am Tag unterbrochen von der APP und aufgefordert, mich neu auszurichten: auf meine Mitte, auf das Wesentliche, auf Gott. Ich kann dann jedes Mal wählen, welche Intensität ich gern hätte: small, medium oder large und wieviel Zeit ich mir nehmen will oder kann 5, 12, 15, 20 oder 25 Minuten. Und nachdem ich mich nun schon für die ausführlichere Variante der Exerzitien entschieden hatte, wollte ich erstmal smart mit 5 Minuten beginnen.

Der erste Schritt ist das Innehalten, still werden, sich auf den Atem konzentrieren (beste Übung überhaupt, um bei sich selbst zu sein) und achtsam für Gottes Gegenwart werden. Es folgen Fragen, wie z.B. Was ist deine Sehnsucht im Moment? Was erwartet dich heute? Wie zeigt sich Gott darin? Wie bringt er deinen Alltag zum Leuchten? Und zum Abschluss bin ich eingeladen zu verweilen, zu verweilen bei Gott. Dann schließe ich mit einem AMEN.

Auf dem Display erscheint nun: Martina, ich melde mich wieder bei dir. Bis bald.

Ich brauchte ein paar Tage, bis es sich eingespielt hatte. Und jetzt ist es zur täglichen Gewohnheit geworden. Dreimal täglich heißt es nun bei mir: closed 5 minutes for praying. Das freut mich. Das tut mir gut. Das lässt mich Gott näher sein. Das gefällt mir. Und hin und wieder geht ein stiller Dank an die Beduinen.

Verrückt, dass ich dafür eine APP brauche, aber was soll´s?! Amen!

Beste Grüße!

Martina

Things that spark joy

02. Januar 2019, Daniela Klockgether - Geistesblitz

Ich gestehe: ich gucke gerne Serien! Und ich bin dabei höchst undiszipliniert... Selten gilt: "Nur noch diese Folge...", meistens sind es eher drei...

Ich mag geschichtlich-blutrünstiges wie Vikings, phantastisch-episches wie GOT, romantisch-geschichtliches wie Outlander und Familiengeschichten wie This is us. Und immer wieder entdecke ich Fragen und Situationen, die mich selber anregen, über mich und die Welt nachzudenken: über dass, was sinnvoll ist oder aber auch mich dahingehend beschäftigt, wo und wie steckt Gott da drin.

Gerne lass ich mich inspirieren von Vorschlägen: Weil Sie xxx geguckt haben, ... Dabei ist mir der Hype um die Aufräum-Staffel "Tidying Up" mit Marie Kondo nicht entgangen. Dazu ist schon Einiges anderswo geschrieben worden. Nun wollte ich mir selbst ein Bild machen.

Die Folgen dauern jeweils eine halbe Stunde und in dieser Zeit kann man die Aufräumexpertin und ihre Philosophie kennenlernen, dem eigenen Voyeurismus frönen und fremden Paaren oder Familien in die Wohnung gucken und einen Prozess verfolgen, der von Abschied, Dankbarkeit und Neuorientierung bestimmt ist. Spannend irgendwie...

Der Ablauf ist immer in etwa so: Mit einem etwas schrillen "Hiiii" wird die jeweilige Familie oder das Paar von der kleinen Japanerin nebst Übersetzerin begrüßt. Ein Gang durch die Wohnung folgt sowie eine Verbindung zu dem Wohnraum, verbunden mit der Frage. Wie möchte ich hier leben? Was ist meine Vision? Die Philosophie der beschriebenen Methodik des Aufräumens ist, sich mit Dingen zu umgeben, die Freude ausstrahlen (spark joy). Und im Zuge dessen, sich von Dingen zu trennen, die aufbewahrt werden, weil sie vielleicht irgendwann noch mal gebraucht werden könnten. Dieses Aussortieren geschieht mit einem ausgesprochenen Dank. Alles was bleibt bekommt seinen spezifischen Platz.

Things that spark joy- Dinge, die Freude verbreiten- Sachen, die glücklich machen- eine schöne Überschrift für die eigene Gestaltung seiner Umwelt. Das passt auch prima ins "Jahr der Freiräume" : die hannoversche Landeskirche hat dies für das Jahr 2019 proklamiert. Damit einher geht die Möglichkeit oder Aufforderung an die Mitarbeitenden und Gestaltenden der Kirchen, ihre Angebote zu überprüfen und durch Weglassen vom Bisherigen Freiraum zu schaffen für etwas Neues. Auch hier lässt sich das oben genannte Prinzip anwenden: Behalte die Dinge, die froh machen! Oder anders gefragt: Erkenne ich in den Angeboten die frohe Botschaft für mich und andere? Also auch hier gewissermaßen ein neues Ordnen à la Marie Kondo...

Ein bisschen so hat Paulus das damals an die griechische Gemeinde in Korinth geschrieben: "Ich betrachte mich nicht als Richter über euren Glauben. Meine Aufgabe ist es doch zu eurer Freude beizutragen!" Und das hat er gemacht, indem er auch auf Sachen hingewiesen hat, die nicht so gut laufen - aber eben unter der Prämisse, dass am Ende die mögliche Freude für alle steht. Eine ehrliche Reflexion und der offene Umgang mit Problemen trägt zur Klärung bzw. Neuordnung bei. Und so gilt auch für mein Tun dieses Ordnungsprinzip. Und dem voraus geht ein inneres Sichten.

Ich habe übrigens angefangen unsere Wohnung nicht nur gedanklich zu inspizieren, sondern bereits ganz praktisch Kleiderschrank und Bücherregale neu geordnet. Fertig bin ich noch lange nicht - aber ich bemerke eine Veränderung meiner Einstellung zu den Dingen, die ich habe. Wertschätzung und Dankbarkeit, Freude und Frieden. Gar nicht schlecht für einen Serien-Output =)

Geordnete und sehr freudige Grüße von Daniela

Kirchendämmerungen

20. Dezember 2018, Torsten Pappert - Geistesblitz

"Die meisten jungen Menschen hier sind glücklich in ihrem Leben - ganz ohne Kirche." Na, wer hätte das gedacht!!??

Überraschend allerdings: Der Satz wurde bei der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands gesagt, quasi dem "Bundestag" der deutschen evangelischen Kirchen.

"Glaube junger Menschen" war das Thema. Drei Tage im herbstlichen Würzburg, die viel Ehrlichkeit hatten. Sehr viel ungeschönte Betrachtungen. Es wurde mal nicht rumgeheimnist, welch blühende Landschaften bei uns zu finden sind. Mir hat das gutgetan.

Unsere Synode war sehr deutlich: es braucht Räume zum Entwickeln. Es braucht Innovation, Experimente, andere Musik, neue Kommunikationsformen. Viel mehr Freiraum für eigene Gestaltung und Verantwortung, einen weiten Blick auf das, was sich "Kirche" nennt und ist und wer wie dazu gehört. Das Zeitalter der Kirche, wie wir Alten sie kannten und - sicher auch - liebten, dieses Zeitalter geht zu Ende.

Aber kein Grund den Sand in den Kopf zu stecken! Oder so...

Ich glaube ja zutiefst, dass Gott "Herr der Geschichte" ist... Boah, klingt ein bisschen Kirchisch, oder?! Anders: Ich glaube, Gott sagt auch etwas durch das, was sich in der Gesellschaft entwickelt. In dem, was passiert, hat er uns etwas zu sagen. Darauf zu hören, ist nicht so einfach.

Und wenn ich mich dann in meiner Kirche umschaue, sehe ich viel Kampf und Krampf. Kirche kämpft gegen die Veränderungen: "Ach, schlimm ist es geworden..."

In meinem Leben nicht! Ich fühle mich freier als noch 1985, als ich fünfzehn war. Ich gehöre zu einer privilegierten Generation. Nie ging es im weltweiten Vergleich Menschen besser als uns heute und hier. Nie waren die Chancen wirklich größer als die Möglichkeiten. Wir haben uns weiter entwickelt: Geschlechterverhältnis, Anerkennung der Unterschiedlichkeit der Menschen, gesellschaftliche Freiheit, rechtliche Sicherheit und...und...und... Und noch nie wurde so sehr gegen die Freiheit gekämpft in unserer Gesellschaft. "Wie schön war es doch früher..."

Ist das so? Lieber wieder ein bisschen bevormundet, ein bisschen kontrolliert, ein bisschen unfrei, wieder ein bisschen mehr Ordnung, ein bisschen klareres Oben und Unten, wieder ein bisschen mehr Mutti zu Hause am Herd... Echt? Und alles, um ein bisschen Unsicherheit zu verhindern? Um sich selber abgesicherter zu fühlen? Bitte nicht, bitte nicht! Das kann doch keiner wollen! Wirklich nicht!

Und nun: Kirche... Ich fürchte, dass alles Rückwärtsgewandte nur bedeutet: Gottes Stimme überhören! Sorry, aber ich fürchte, das ist so und nicht anders. Kann es Aufgabe der Kirche sein, ein gesellschaftliches Gestern zurückhaben zu wollen, weil man da ungefragt zum Normalen des Lebens gehörte?Oder ist die Aufgabe der Kirche, der Ort des Glaubens in der Gesellschaft zu sein, in der sie selber lebt?

Gottes Antwort scheint mir klar: Junge Menschen - und andere auch - verstehen Euch und die Botschaft, meine Botschaft, immer weniger. Aber Ihr seid mein Laden! Seht zu, dass Ihr wieder die Sprache lernt, die die verstehen können, dass Ihr so lebt und strahlt, dass man an Euch nicht vorbeikommt, sondern etwas von mir an Euch erkennt.

Es gibt nur ein "Nach vorne" und kein zurück!

Jesus konnte das ziemlich drastisch sagen: "Wer die Hand an den Pflug legt und dabei zurückschaut, der eignet sich nicht für das Reich Gottes." (Lukas 9,62) Deutlich: Schau nach vorne, genau da ist Gottes Welt für Dich, halt dich nicht mit dem Gestern auf.

Dabei darf ich sicher mitnehmen, was mir wichtig ist. Aber: das ist mein Gepäck! Und ich muss mir bewusst sein, dass ich es keinem anderen und keiner anderen aufbürden darf! Nochmal zurück zu den "jungen" Leuten und der "alten" Kirche. Das Gepäck, das man als Junger gleich mitbekommt, ist doch oft: Du bist jetzt verantwortlich, dass alles bleibt, wie es ist, das wir nicht verunsichert werden in dem, was wir für wichtig halten. Euch gehört die Zukunft, aber gestaltet die so, dass es alles bleibt, wie wir es kennen.

Verbessert mich. Aber zunehmend - und mit gutem Recht - übernehmen junge Leute diese Hypothek nicht mehr. Sie gehen. Weder böse, noch ablehnend. Sie nehmen die Bedingungen wahr und stellen fest: Das ist nichts für mich! Und dann geht ihre Energie an andere Orte.

Nichts anderes verlangt die Gesellschaft ständig von ihnen: Übernimm Verantwortung, sei flexibel, leistungs- und qualitätsorientiert, optimiere dich ständig selber. Das machen sie. Und wir Alten bei Kirche können nichts mit ihnen anfangen, weil bei uns doch alles anders sein soll... Das führt zu nichts.

Und Gott sieht das anders.

Also: Danke, liebe Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands, für den Mut ganz fröhlich und ganz offen und zukunftsorientiert auf junge Leute zu schauen! Wenn Ihr das wirklich ernst meint, dann kann da was gehen. Und dann wird das für uns alle ein spannendes Abenteuer - allerdings jenseits unserer kirchlichen Komfort-Zonen. Ich bin mal gespannt und sicher: Gott würde das freuen, wenn wir ankommen, wo junge Menschen schon lange sind!

Auf geht's! Beste Grüße! Euer Torsten

"Ich bin dann mal ... da!" - Neue Wege

11. Juni 2017, Torsten Pappert - Geistesblitz

"Ich bin dann mal...da!" - Neue Wege

„Na, endlich!“, mag man seufzen. Endlich eine neue Website für die Evangelische Jugend, den Stadtjugenddienst, die Jugendkirche. „Wurde aber auch Zeit!“

Ja, das wurde es! Die eine hatte kein richtiges Profil, die andere war technisch völlig veraltet und vom Design sowas von 80er – obwohl das ja wieder recht modern wird...

Nun wäre es ja ein leichtes gewesen, einfach eine neue Seite ins Netz zu knallen: Agentur, Homepagebaukasten oder so...

Aber bei uns hat es ein bisschen gedauert. Weil wir uns in den letzten beiden Jahren in einer alten christlichen Tugend geübt haben...Wege gehen und Wege annehmen.

Es ist ein merkwürdiger Zusammenhang unseres heutigen Kircheseins, wie wichtig Gebäude und Strukturen und feste Orientierungspunkte sind. Das ist sicherlich menschlich, weil wir in der Unübersichtlichkeit des Lebens sowas wie Haltepunkte suchen. Wenn alles andere rutscht, dann ist wenigstens das noch so, wie es immer gewesen ist.

Diese Aufgabe nehmen wir als Kirche – manchmal allzu gerne und unhinterfragt – an.

Das Ganze hat zwei Kehrseiten, eine menschliche und eine theologische.

Ganz menschlich: Wenn ich in meinem Leben mit der Bewegung, die es gerade hat, ganz gut klar komme, brauche ich wenig an Haltepunkten. Begleitung beim Gehen und Entwickeln wäre gut, aber Hilfe beim Festhalten und Bewahren ist keine Option. Und so scheint das für eine ganze Reihe Menschen zu sein: Wir leben in einer Gesellschaft, die ständige Bewegung erzwingt, dafür gibt es dann schöne neue Wörter wie Flexibilität und Optionalität, Beweglichkeit und Lebensstilsampling. Wie auch immer: Wer gezwungen ist, sich zu bewegen, braucht einen Rückhalt in der Bewegung und eben nicht im Festhalten und Bewahren. Und weil unsere Gesellschaft – Gott sei es gedankt – offener geworden ist, ist eine Kirche, die für Beständigkeit steht, in die Krise geraten.

Und auch theologisch: Wer den Mut besitzt, sich den Bildern für Kirche auszusetzen, die das Neue Testament der Bibel so bietet, wird überrascht sein, dass hier vor allem Dynamik, Kraft, Leidenschaft und Bewegung herrschen. Verlässlichkeit und Beständigkeit gehören zu Gott, aber nicht der Gemeinschaft der Glaubenden. Gott ist verlässlich, aber nicht durch die Verlässlichkeit der Kirche, sondern in allen Wendungen und Windungen des Lebens. Gott ist der Verlässliche in der Unverlässlichkeit!

Und die Kirche gehört auf die Seite der Menschen und in ihre Lebenswirklichkeit – auf den Himmel muss auch die Kirche noch warten!

Und so haben wir uns in der Jugendarbeit – eher zufällig oder durch Gottes Fügung – in den letzten Jahren im Gehen geübt: von unseren Plänen zu dem, was wir als Gottes Aufgabe für die Jugendarbeit gezeigt bekommen haben, von einer Jugendarbeit, deren Garanten beruflich Tätige sind, zu einer Bewegung, die sich mit denen bewegt, die sich freiwillig engagieren.

Vieles ist dabei in Bewegung und unfertig, vieles Tolle ist passiert, manches ist auch noch etwas unausgewogen. Aber das wird. 

Auch mit dieser Seite ist das so: Da haben viele mitgearbeitet, die sich gerade irgendwo in der Ev. Jugend Hannover engagieren. Das ist ihre Seite.

Ich hoffe, wir sehen uns irgendwo auf dem Weg und begegnen dabei uns und Gott, der verlässlich mitgeht!

Beste Grüße! Blessinx!

Torsten
Stadtjugendpastor und Jugendkirchenpastor

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