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Geistesblitz

Things that spark joy

Ich gestehe: ich gucke gerne Serien! Und ich bin dabei höchst undiszipliniert... Selten gilt: "Nur noch diese Folge...", meistens sind es eher drei... Ich mag geschichtlich-blutrünstiges wie Vikings, phantastisch-episches wie GOT, romantisch-geschichtliches wie Outlander und Familiengeschichten wie This is us. Und immer wieder entdecke ich Fragen und Situationen, die mich selber anregen, über mich und die Welt nachzudenken: über dass, was sinnvoll ist oder aber auch mich dahingehend beschäftigt, wo und wie steckt Gott da drin.

Gerne lass ich mich inspirieren von Vorschlägen: Weil Sie xxx geguckt haben, ... Dabei ist mir der Hype um die Aufräum-Staffel "Tidying Up" mit Marie Kondo nicht entgangen. Dazu ist schon Einiges anderswo geschrieben worden. Nun wollte ich mir selbst ein Bild machen.

Die Folgen dauern jeweils eine halbe Stunde und in dieser Zeit kann man die Aufräumexpertin und ihre Philosophie kennenlernen, dem eigenen Voyarismus frönen und fremden Paaren oder Familien in die Wohnung gucken und einen Prozess verfolgen, der von Abschied, Dankbarkeit und Neuorientierung bestimmt ist. Spannend irgendwie...

Der Ablauf ist immer in etwa so: Mit einem etwas schrillen "Hiiii" wird die jeweilige Familie oder das Paar von der kleinen Japanerin nebst Übersetzerin begrüßt. Ein Gang durch die Wohnung folgt sowie eine Verbindung zu dem Wohnraum, verbunden mit der Frage. Wie möchte ich hier leben? Was ist meine Vision? Die Philosophie der beschriebenen Methodik des Aufräumens ist, sich mit Dingen zu umgeben, die Freude ausstrahlen (spark joy). Und im Zuge dessen, sich von Dingen zu trennen, die aufbewahrt werden, weil sie vielleicht irgendwann noch mal gebraucht werden könnten. Dieses Aussortieren geschieht mit einem ausgesprochenen Dank. Alles was bleibt bekommt seinen spezifischen Platz.

Things that spark joy- Dinge, die Freude verbreiten- Sachen, die glücklich machen- eine schöne Überschrift für die eigene Gestaltung seiner Umwelt. Das passt auch prima ins "Jahr der Freiräume" : die hannoversche Landeskirche hat dies für das Jahr 2019 proklamiert. Damit einher geht die Möglichkeit oder Aufforderung an die Mitarbeitenden und Gestaltenden der Kirchen, ihre Angebote zu überprüfen und durch Weglassen vom Bisherigen Freiraum zu schaffen für etwas Neues. Auch hier lässt sich das oben genannte Prinzip anwenden: Behalte die Dinge, die froh machen! Oder anders gefragt: Erkenne ich in den Angeboten die frohe Botschaft für mich und andere? Also auch hier gewissermaßen ein neues Ordnen à la Marie Kondo...

Ein bisschen so hat Paulus das damals an die griechische Gemeinde in Korinth geschrieben: "Ich betrachte mich nicht als Richter über euren Glauben. Meine Aufgabe ist es doch zu eurer Freude beizutragen!" Und das hat er gemacht, indem er auch auf Sachen hingewiesen hat, die nicht so gut laufen - aber eben unter der Prämisse, dass am Ende die mögliche Freude für alle steht. Eine ehrliche Reflexion und der offene Umgang mit Problemen trägt zur Klärung bzw. Neuordnung bei. Und so gilt auch für mein Tun dieses Ordnungsprinzip. Und dem voraus geht ein inneres Sichten.

Ich habe übrigens angefangen unsere Wohnung nicht nur gedanklich zu inspizieren, sondern bereits ganz praktisch Kleiderschrank und Bücherregale neu geordnet. Fertig bin ich noch lange nicht - aber ich bemerke eine Veränderung meiner Einstellung zu den Dingen, die ich habe. Wertschätzung und Dankbarkeit, Freude und Frieden. Gar nicht schlecht für einen Serien-Output =)

Geordnete und sehr freudige Grüße von Daniela

Kirchendämmerungen

20. Dezember 2018, Torsten Pappert - Geistesblitz

"Die meisten jungen Menschen hier sind glücklich in ihrem Leben - ganz ohne Kirche." Na, wer hätte das gedacht!!??

Überraschend allerdings: Der Satz wurde bei der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands gesagt, quasi dem "Bundestag" der deutschen evangelischen Kirchen.

"Glaube junger Menschen" war das Thema. Drei Tage im herbstlichen Würzburg, die viel Ehrlichkeit hatten. Sehr viel ungeschönte Betrachtungen. Es wurde mal nicht rumgeheimnist, welch blühende Landschaften bei uns zu finden sind. Mir hat das gutgetan.

Unsere Synode war sehr deutlich: es braucht Räume zum Entwickeln. Es braucht Innovation, Experimente, andere Musik, neue Kommunikationsformen. Viel mehr Freiraum für eigene Gestaltung und Verantwortung, einen weiten Blick auf das, was sich "Kirche" nennt und ist und wer wie dazu gehört. Das Zeitalter der Kirche, wie wir Alten sie kannten und - sicher auch - liebten, dieses Zeitalter geht zu Ende.

Aber kein Grund den Sand in den Kopf zu stecken! Oder so...

Ich glaube ja zutiefst, dass Gott "Herr der Geschichte" ist... Boah, klingt ein bisschen Kirchisch, oder?! Anders: Ich glaube, Gott sagt auch etwas durch das, was sich in der Gesellschaft entwickelt. In dem, was passiert, hat er uns etwas zu sagen. Darauf zu hören, ist nicht so einfach.

Und wenn ich mich dann in meiner Kirche umschaue, sehe ich viel Kampf und Krampf. Kirche kämpft gegen die Veränderungen: "Ach, schlimm ist es geworden..."

In meinem Leben nicht! Ich fühle mich freier als noch 1985, als ich fünfzehn war. Ich gehöre zu einer privilegierten Generation. Nie ging es im weltweiten Vergleich Menschen besser als uns heute und hier. Nie waren die Chancen wirklich größer als die Möglichkeiten. Wir haben uns weiter entwickelt: Geschlechterverhältnis, Anerkennung der Unterschiedlichkeit der Menschen, gesellschaftliche Freiheit, rechtliche Sicherheit und...und...und... Und noch nie wurde so sehr gegen die Freiheit gekämpft in unserer Gesellschaft. "Wie schön war es doch früher..."

Ist das so? Lieber wieder ein bisschen bevormundet, ein bisschen kontrolliert, ein bisschen unfrei, wieder ein bisschen mehr Ordnung, ein bisschen klareres Oben und Unten, wieder ein bisschen mehr Mutti zu Hause am Herd... Echt? Und alles, um ein bisschen Unsicherheit zu verhindern? Um sich selber abgesicherter zu fühlen? Bitte nicht, bitte nicht! Das kann doch keiner wollen! Wirklich nicht!

Und nun: Kirche... Ich fürchte, dass alles Rückwärtsgewandte nur bedeutet: Gottes Stimme überhören! Sorry, aber ich fürchte, das ist so und nicht anders. Kann es Aufgabe der Kirche sein, ein gesellschaftliches Gestern zurückhaben zu wollen, weil man da ungefragt zum Normalen des Lebens gehörte?Oder ist die Aufgabe der Kirche, der Ort des Glaubens in der Gesellschaft zu sein, in der sie selber lebt?

Gottes Antwort scheint mir klar: Junge Menschen - und andere auch - verstehen Euch und die Botschaft, meine Botschaft, immer weniger. Aber Ihr seid mein Laden! Seht zu, dass Ihr wieder die Sprache lernt, die die verstehen können, dass Ihr so lebt und strahlt, dass man an Euch nicht vorbeikommt, sondern etwas von mir an Euch erkennt.

Es gibt nur ein "Nach vorne" und kein zurück!

Jesus konnte das ziemlich drastisch sagen: "Wer die Hand an den Pflug legt und dabei zurückschaut, der eignet sich nicht für das Reich Gottes." (Lukas 9,62) Deutlich: Schau nach vorne, genau da ist Gottes Welt für Dich, halt dich nicht mit dem Gestern auf.

Dabei darf ich sicher mitnehmen, was mir wichtig ist. Aber: das ist mein Gepäck! Und ich muss mir bewusst sein, dass ich es keinem anderen und keiner anderen aufbürden darf! Nochmal zurück zu den "jungen" Leuten und der "alten" Kirche. Das Gepäck, das man als Junger gleich mitbekommt, ist doch oft: Du bist jetzt verantwortlich, dass alles bleibt, wie es ist, das wir nicht verunsichert werden in dem, was wir für wichtig halten. Euch gehört die Zukunft, aber gestaltet die so, dass es alles bleibt, wie wir es kennen.

Verbessert mich. Aber zunehmend - und mit gutem Recht - übernehmen junge Leute diese Hypothek nicht mehr. Sie gehen. Weder böse, noch ablehnend. Sie nehmen die Bedingungen wahr und stellen fest: Das ist nichts für mich! Und dann geht ihre Energie an andere Orte.

Nichts anderes verlangt die Gesellschaft ständig von ihnen: Übernimm Verantwortung, sei flexibel, leistungs- und qualitätsorientiert, optimiere dich ständig selber. Das machen sie. Und wir Alten bei Kirche können nichts mit ihnen anfangen, weil bei uns doch alles anders sein soll... Das führt zu nichts.

Und Gott sieht das anders.

Also: Danke, liebe Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands, für den Mut ganz fröhlich und ganz offen und zukunftsorientiert auf junge Leute zu schauen! Wenn Ihr das wirklich ernst meint, dann kann da was gehen. Und dann wird das für uns alle ein spannendes Abenteuer - allerdings jenseits unserer kirchlichen Komfort-Zonen. Ich bin mal gespannt und sicher: Gott würde das freuen, wenn wir ankommen, wo junge Menschen schon lange sind!

Auf geht's! Beste Grüße! Euer Torsten

"Ich bin dann mal ... da!" - Neue Wege

11. Juni 2017, Torsten Pappert - Geistesblitz

"Ich bin dann mal...da!" - Neue Wege

„Na, endlich!“, mag man seufzen. Endlich eine neue Website für die Evangelische Jugend, den Stadtjugenddienst, die Jugendkirche. „Wurde aber auch Zeit!“

Ja, das wurde es! Die eine hatte kein richtiges Profil, die andere war technisch völlig veraltet und vom Design sowas von 80er – obwohl das ja wieder recht modern wird...

Nun wäre es ja ein leichtes gewesen, einfach eine neue Seite ins Netz zu knallen: Agentur, Homepagebaukasten oder so...

Aber bei uns hat es ein bisschen gedauert. Weil wir uns in den letzten beiden Jahren in einer alten christlichen Tugend geübt haben...Wege gehen und Wege annehmen.

Es ist ein merkwürdiger Zusammenhang unseres heutigen Kircheseins, wie wichtig Gebäude und Strukturen und feste Orientierungspunkte sind. Das ist sicherlich menschlich, weil wir in der Unübersichtlichkeit des Lebens sowas wie Haltepunkte suchen. Wenn alles andere rutscht, dann ist wenigstens das noch so, wie es immer gewesen ist.

Diese Aufgabe nehmen wir als Kirche – manchmal allzu gerne und unhinterfragt – an.

Das Ganze hat zwei Kehrseiten, eine menschliche und eine theologische.

Ganz menschlich: Wenn ich in meinem Leben mit der Bewegung, die es gerade hat, ganz gut klar komme, brauche ich wenig an Haltepunkten. Begleitung beim Gehen und Entwickeln wäre gut, aber Hilfe beim Festhalten und Bewahren ist keine Option. Und so scheint das für eine ganze Reihe Menschen zu sein: Wir leben in einer Gesellschaft, die ständige Bewegung erzwingt, dafür gibt es dann schöne neue Wörter wie Flexibilität und Optionalität, Beweglichkeit und Lebensstilsampling. Wie auch immer: Wer gezwungen ist, sich zu bewegen, braucht einen Rückhalt in der Bewegung und eben nicht im Festhalten und Bewahren. Und weil unsere Gesellschaft – Gott sei es gedankt – offener geworden ist, ist eine Kirche, die für Beständigkeit steht, in die Krise geraten.

Und auch theologisch: Wer den Mut besitzt, sich den Bildern für Kirche auszusetzen, die das Neue Testament der Bibel so bietet, wird überrascht sein, dass hier vor allem Dynamik, Kraft, Leidenschaft und Bewegung herrschen. Verlässlichkeit und Beständigkeit gehören zu Gott, aber nicht der Gemeinschaft der Glaubenden. Gott ist verlässlich, aber nicht durch die Verlässlichkeit der Kirche, sondern in allen Wendungen und Windungen des Lebens. Gott ist der Verlässliche in der Unverlässlichkeit!

Und die Kirche gehört auf die Seite der Menschen und in ihre Lebenswirklichkeit – auf den Himmel muss auch die Kirche noch warten!

Und so haben wir uns in der Jugendarbeit – eher zufällig oder durch Gottes Fügung – in den letzten Jahren im Gehen geübt: von unseren Plänen zu dem, was wir als Gottes Aufgabe für die Jugendarbeit gezeigt bekommen haben, von einer Jugendarbeit, deren Garanten beruflich Tätige sind, zu einer Bewegung, die sich mit denen bewegt, die sich freiwillig engagieren.

Vieles ist dabei in Bewegung und unfertig, vieles Tolle ist passiert, manches ist auch noch etwas unausgewogen. Aber das wird. 

Auch mit dieser Seite ist das so: Da haben viele mitgearbeitet, die sich gerade irgendwo in der Ev. Jugend Hannover engagieren. Das ist ihre Seite.

Ich hoffe, wir sehen uns irgendwo auf dem Weg und begegnen dabei uns und Gott, der verlässlich mitgeht!

Beste Grüße! Blessinx!

Torsten
Stadtjugendpastor und Jugendkirchenpastor

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