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Offene Türen?

26. September 2021, Steffi Krapf - Geistesblitz

Offene Türen?

von Annika

Wie offen steht die Kirchentür?

Ja, wie offen steht sie eigentlich? Und für wen?

Wenn ich an einer Kirchentür vorbeikomme, schaue ich fast automatisch, ob sie offen steht. Aber reingehen... Nein. Zu viele Gefühle, zu viele Fragen.
Was, wenn ich dort, in diesen heiligen Räumen, gar nicht sein darf?
Was, wenn ich jemanden in seinem höchst persönlichen Gespräch mit Gott störe, einfach nur durch meine Anwesenheit, die sich in Kirchen immer ein bisschen zu laut, ein bisschen zu unbedarft, ja, ein bisschen zu viel anfühlt?
Oder was, wenn dort, aus der kleinen Tür hinter der Kanzel, jemand herausschießt und mir sagt, dass ich hier eigentlich doch gar nicht sein darf, die offene Tür ein Versehen war?

Geschlossene Gesellschaft, heute, zufällig, während ich reingehe hätte es mir auffallen müssen, ich war bloß mal wieder zu beschäftigt um es zu bemerken. Jede Kirchentür fühlt sich an, als wäre sie mit einem <geschlossene Gesellschaft> Schild versehen, leise baumelt es in einer Ecke, man kann es mal schlechter erkennen, mal besser, aber da ist es immer. Oder bringe ich es mit? Für wen ist denn Kirche? Und wer darf hineingehen?
Eigentlich widerspricht es doch meinem christlichen Selbstverständnis, dass jemand ausgeschlossen werden sollte.
Aber ich. Lesbisch, eben noch katholisch, nun doch irgendwie gar nichts mehr, das Vaterunser einfach nie im Kopf drin, und Hilfe, wo tue ich denn meine Hände hin, wenn rechts neben dem Eingang nicht wie erwartet die kleine Schale mit dem Weihwasser bereitsteht?

Trotz allem. Kirche ist auch für mich. Ob da nun Weihwasser steht, oder nicht, ob ich mich richtig herum bekreuzige oder es doch wieder verwechsle; wer weiß schon immer so genau, wo links und wo rechts ist. Kirche ist auch für Menschen, die noch nie in einer waren, für Menschen, die das Amen nicht laut genug sagen, und auch für Menschen, die es überhaupt nicht sagen wollen.

Nun, warum fühlt es sich denn dann so an, als würde man Gott aussperren, als würde ihre Präsenz verschwinden, desto tiefer man sich in den riesigen Raum bewegt. Warum ist Gott für mich nicht in dem Priester, in den Verzierungen, in den Kerzen oder den Gläubigen?

Kirche ist nicht gleich Kirche. Diese großen Gebäude, wie man sie überall findet, manchmal mit Turm, manchmal ohne, manchmal mit Stühlen, manchmal mit Sitzsäcken, das sind doch bloß Gebäude.

Das, was die Kirche ausmacht, das machen wir alle, jede einzelne von uns, ob Pastorin, Organist, oder einfach nur da. Wir können entscheiden, wer dazugehört, und wenn Menschen sich entscheiden, ihren Glauben exklusiv zu gestalten, fallen Menschen heraus, dann gehen Türen zu, obwohl sie physisch eigentlich offen stehen.

Ein Mädchen aus einem kleinen englischen Buch fragte einmal: "Wie heißt die Frage auf die Antwort <in mir drin, ganz in der Mitte.>?" Die Frage auf diese Antwort lautet <Wo ist Gott?>.

Gott ist in jeder und in jedem von uns, ganz innen drin. Auch im Kirchengebäude. Gerade im Kirchengebäude, wo man doch zusammenkommt, um gemeinsam diese Nähe zu feiern. Wenn sich das nicht für alle so anfühlt, dann ist etwas schief gelaufen, dann hat Kirche ihren Dienst versagt. Dann müssen wir etwas ändern, denn Kirche ist für alle da.

Die Tür, sie steht immer offen, auch im übertragenen Sinne. Und vielleicht, brauchen wir gerade noch kleine Schutzräume - um anzukommen, aufzutanken, um Kraft zu sammeln, um morgen wieder durch eine Tür gehen zu können, die sich eigentlich ganz furchtbar geschlossen anfühlt, es aber gar nicht ist. Oder auch um Türen zu öffnen, die wirklich geschlossen sind, es aber nicht sein sollten.

Damit queere Gottesdienste irgendwann nicht mehr nötig sein müssen, damit man sich überall Zuhause fühlen kann. Denn gerade in "Gotteshäusern", da sollte man doch Zuhause sein, da sollte man ankommen dürfen und sich aufgenommen fühlen. Egal, wo man herkommt, wo man hingeht, wen man liebt oder was man in der Zwischenzeit so macht.

Denn wenn Gott in unser aller Mitte wohnt, dann kommt er auch mit in die Kirche.

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