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Ein hörendes Herz

09. Oktober 2020, Steffi Krapf - Geistesblitz

Ein hörendes Herz von Nils Timm

Anfang August war ich mit sechs anderen jungen Erwachsenen in Griechenland. Genauer gesagt in Katerini, eine Autostunde entfernt von Thessaloniki. Aber wieso Sommer, Sonne und Strand - ein richtig schöner Urlaub, während alles durch die Coronapandemie in Atem gehalten wird. Muss das sein? Und das ist der Punkt, auch wenn 35 Grad Celsius und der 20 Minuten entfernte Strand etwas anderes vermuten lassen, war das kein Urlaub oder zumindest kein so richtiger.

Denn wir sieben haben in der Bürgerinitiative "O topos mou" ("Mein Ort") zwei Wochen lang mitgeholfen und angepackt. Die Aufgaben hätten dabei verschiedener nicht sein können: Gartenarbeit, Medikamente sortieren und verpacken in der Sozialen Apotheke oder Brandwache am Fuße des Olymps. Wenn ihr noch mehr erfahren wollt, kommt ihr hier zu der Website, wo wir auch täglich von dem Erlebten berichtet haben.

Und das war das nicht alles. Wundervolle Begegnungen, eindrückliche Bilder und bisweilen auch tief emotionale Momente.
Nach zwei Wochen fährt man mit viel im Gepäck wieder zurück. Mit mehr Verständnis für die Menschen eines ganzen Landes, der Erfahrung, wie einfach gelebtes Miteinander doch funktioniert, was Solidarität eigentlich bedeutet und wie wenig doch so viel verändern kann.
Bei all dem fällt es einem schwer zu selektieren und nicht völlig überwältigt zu werden.

Und saß auch ich wieder in Deutschland und dachte, was davon, welche Erkenntnis mir am wertvollsten ist. Dabei musste ich, wie es der Zufall so will, an eine Geschichte aus der Bibel denken, die ich ein paar Wochen vor der Abreise in einem ganz anderen Kontext gelesen habe.

In der Geschichte ging es um den großen König Salomo, der für seine Weisheit und Güte bis über die Landesgrenzen hinweg bekannt war. Doch die Geschichte spielt eine ganze Weile davor. Salomo ist gerade erst König geworden, überfordert von den unzähligen Aufgaben und dem Erbe, das ihm sein Vater David hinterlassen hat. Da erscheint ihm Gott im Traum und spricht: "Bitte, was ich dir geben soll." Ein verlockendes Angebot, als König kann man vieles gut gebrauchen. Reichtum oder doch eher makellose Schönheit? Nein. Ein Genie zu sein, wäre auch nicht schlecht, aber nein das ist es nicht. Ein langes Leben und Gesundheit? Nee, auch das nicht. Und so überlegt Salomo und sagt schließlich: "Ein hörendes Herz, gib mir Verständnis." Gott gewährt ihm seinen Wunsch. Ich finde das beachtlich und mutig, hätte er doch alles Erdenkliche haben können. Verständnis und Güte, um seine Mitmenschen bestmöglich zu verstehen, zu leiten und zu unterstützen. Das trägt Früchte, Israel lebt lange Jahre in Frieden und Wohlstand.

Heutzutage bekommt man oft gesagt, mit Fleiß und Arbeit komme man weit. Das mag stimmen, doch spätestens seit diesen zwei Wochen bei "O topos mou" bin ich mir sicher: Mit Verständnis und Güte kommt man viel weiter. Denn man kommt dahin, wo kein Aussehen, kein Reichtum der Welt führt. Nämlich in die Herzen der Menschen.

In Griechenland durften wir das täglich erleben. "O topos mou" ist für viele Menschen in Katerini, deshalb zu einem wichtigen Bezugspunkt, einem Zuhause geworden. Und das "Wie" ist bewundernswert. Diesen Umgang, geprägt vom Verständnis Füreinander, vermisse ich hier in Deutschland immer wieder.

Wirklich Zuhören zu können ist eine Gabe, die man lernen muss. Seit Griechenland hört mein Herz alles noch einige Dezibel lauter und ein leiser gibt es da nicht mehr. Das wünsche ich mir für jede und jeden. Und falls man Gott nach einem hörenden Herzen fragt, da bin ich mir sicher, führt auch ein Weg an die griechische Mittelmeerküste.

"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar."

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