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Da, wo ich bin

09. Oktober 2019, Berufspraktikant - Geistesblitz

Ende Mai war ich für neun Tage in Israel.

Eine kurze Reise, aber sie hat mich wahrscheinlich mehr geprägt als alles andere. So intensiv, so bunt und manchmal auch so emotional. Nicht umsonst hört man meist als Allererstes: "Israel verändert dich, deinen Blick auf die Welt." Bei mir war das so.

Stundenlang könnte ich erzählen von alten Tempeln, Ausgrabungstätten, Templerfestungen, Jerusalem und all den anderen Schauplätzen aus Bibel und Historie. Doch, was mich in Israel am meisten beeindruckt hat, war der Kontrast zwischen eben dieser Historie und dem Modernen.

Als ich das erste Mal im See Genezareth schwimmen gegangen bin, war das am stärksten. Es war abends am zweiten Tag und da noch etwas Zeit vor dem Essen war, ging man also schwimmen. Als wäre es das Normalste der Welt. Für mich war das eines der Dinge, auf die ich mich am meisten gefreut hatte.

Und so stand ich da am Strand. Direkt am Ufer des Sees. Andächtig, fast schon ein bisschen ehrfürchtig. Schließlich war das der Ort der ganzen Geschichten, die ich schon als kleiner Junge gehört und gelesen hatte, die mich bis heute begleiten und faszinieren. Wer weiß, vielleicht ist Jesus ja nur ein paar hundert Meter von hier entfernt übers Wasser gelaufen oder hat dort drüben die Sturmstillung vollbracht. Zu meiner Rechten liegt ein paar Kilometer entfernt Capernaum, wo sich so viele Heilungen und Gleichnisse abgespielt haben. Und dort drüben kann man die andere Seite des Sees sehen: Wie oft er wohl von dort hierüber gefahren ist? Mit diesen Gedanken stand ich da und fragte mich: Kann ich hier jetzt einfach so schwimmen gehen?

Ich muss zugeben, die Frage ist schon ein bisschen dämlich, schließlich steht der "Bademeister" nicht aus Spaß hier und auch die anderen Menschen am und im Wasser sind möglicherweise ein Indiz dafür, dass schwimmen hier durchaus erlaubt ist. Möglicherweise!?

Besonders in diesem Moment - aber in Israel ganz oft - ist mir bewusster geworden, dass bei all den Orten wo Jesus und all die anderen biblischen Personen vielleicht einmal waren und gewirkt haben, wo jetzt meist eine Kirche steht und sich die Touristen scharen, dass sich wirklicher Glaube, wirkliche Spiritualität für mich nicht darin zeigt und fest macht, was mal gewesen und passiert ist. Sondern: Glauben zeigt sich im lebendigen Leben in all seinen Facetten und Farben!

So kann ich für mich sagen, dass bei all den tollen Eindrücken es nicht die Ruinen und alten Stätten aus der biblischen Zeit waren, sondern das gemeinsame Leben im Glauben, das mich spüren ließ: Gott ist überall! Er immer für mich da und es ist dabei ganz egal, ob ich nun im See Genezareth oder im Blauen See in Garbsen schwimme.

Da, wo ich bin! Da ist auch er!

Ganz oft liest man in der Bibel die Worte "Ich bin bei dir". Ich bin bei dir, um dich vor Feinden zu schützen, dir die Furcht zu nehmen oder dich auf deinen Wegen zu begleiten. So spricht Gott. Da wo ich bin, bist auch du! Immer, überall, ohne Pause. Ist das nicht toll, eine solche Gewissheit zu haben. Ich finde: das ist großartig, supercalifragilisticexpialigetisch oder welches Wort auch immer für einen selbst am besten passt.

Da wo ich bin, bist auch du!

Zugleich ist das aber auch nur eine sehr schöne Phrase. So wie diese wunderbar nichtssagenden Sätze, die man nach jedem Fußballspiel von den Trainern und Spielern zu hören bekommt, um sich dann zu fragen, wie es möglich ist, so wenig inhaltliche Aussagen in fünf Minuten so schön zu verpacken.

Aber zurück zu meiner Erfahrung mit diesem Satz, denn auch mir ist das irgendwie schwer gefallen, ihn mit Inhalt zu füllen. Dauernd wurde gesagt, Gott ist immer da, er lässt dich nie im Stich. Schön und gut, aber so schwer zu greifen. Hin und wieder gibt es dann so Momente, wo ich es wirklich fühle: "Da wo ich bin, bist auch du!" Genau so ein Moment war das am See Genezerath für mich. Da war ich mir sicher: egal wo ich bin, da bist auch du, Gott; und egal wo du bist, bin auch ich. Für mich kann ich diese Worte jetzt mit Inhalt und das, wie gesagt, egal wo ich bin. Das, finde ich, ist wirklich großartig, supercalifragilisticexpialigetisch und jedes andere Wort.

Da wo ich bin, bist auch du!

Gute Wege! Euer Nils

(Nils Timm war ein halbes Jahr Praktikant im Ev. Stadtjugenddienst, der Jugendkirche und in verschiedenen Jugendzentren. Seit Anfang Oktober studiert er Ev. Theologie in Hamburg.
Gottes Segen für Deinen Weg, Nils!)

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