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Closed ten minutes for praying

05. März 2019, martinawittke - Geistesblitz

Als ich vor einem guten Jahr in der Sinai-Wüste unterwegs war, war ich u.a. einige Tage in Dahab. Einem unter Taucher*innen bekannter und beliebter Urlaubsort am Roten Meer. Ich kam gerade aus einer siebentägigen Wüstensafari, auf der es mich, das gestehe ich gern, beeindruckt hat, wie regelmäßig die Beduinen ihren Gebetsteppich im Nirgendwo ausrollten und beteten. Da wurde jede Wanderung, jede Essenzubereitung, jede Tätigkeit unterbrochen, die Hände und Füße gewaschen, der Teppich in den Sand gelegt und gebetet.

Zurück in Dahab, in der Zivilisation, in diesem gut besuchten Urlaubsort, mitten unter Händlern, Touristen, dem ganzen Trubel, wollte ich in ein Geschäft, in dem ich schon eine Woche vorher etwas gekauft hatte. Endlich gefunden, war die Tür verschlossen und es hing ein Zettel dran: Closed 10 minutes for praying. Wie cool ist das denn, dachte ich mir, der macht einfach seinen Laden zu und geht beten! … Die Kundschaft muss dann mal warten oder woanders einkaufen.

Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn ich das in meinem Alltag machen würde… Ach, was ich mir nicht schon alles vorgestellt habe … und dabei blieb es dann auch … erstmal.

Mitte Januar hatte ich Besuch von einer Freundin, die mich auf eine APP der Landeskirche aufmerksam machte: XRCS, steht für Exercise. Einige von euch kennen sie vielleicht. Die App ist eine Unterstützung, um mitten im Alltag inne zu halten und Gottes Gegenwart zu entdecken. Beim Einrichten der APP kann ich wählen zwischen Inspiration und Exerzitien. Möchte ich mir ein, zwei oder dreimal am Tag dazwischen funken lassen, entscheide ich mich für Inspiration. Will ich eine jahrhundertealte Tradition neu entdecken, wähle ich Exerzitien, die helfen, die eigene Spiritualität zu vertiefen. Ich habe mich die ersten vier Wochen für die Exerzitien entschieden.

Nun wurde ich dreimal am Tag unterbrochen von der APP und aufgefordert, mich neu auszurichten: auf meine Mitte, auf das Wesentliche, auf Gott. Ich kann dann jedes Mal wählen, welche Intensität ich gern hätte: small, medium oder large und wieviel Zeit ich mir nehmen will oder kann 5, 12, 15, 20 oder 25 Minuten. Und nachdem ich mich nun schon für die ausführlichere Variante der Exerzitien entschieden hatte, wollte ich erstmal smart mit 5 Minuten beginnen.

Der erste Schritt ist das Innehalten, still werden, sich auf den Atem konzentrieren (beste Übung überhaupt, um bei sich selbst zu sein) und achtsam für Gottes Gegenwart werden. Es folgen Fragen, wie z.B. Was ist deine Sehnsucht im Moment? Was erwartet dich heute? Wie zeigt sich Gott darin? Wie bringt er deinen Alltag zum Leuchten? Und zum Abschluss bin ich eingeladen zu verweilen, zu verweilen bei Gott. Dann schließe ich mit einem AMEN.

Auf dem Display erscheint nun: Martina, ich melde mich wieder bei dir. Bis bald.

Ich brauchte ein paar Tage, bis es sich eingespielt hatte. Und jetzt ist es zur täglichen Gewohnheit geworden. Dreimal täglich heißt es nun bei mir: closed 5 minutes for praying. Das freut mich. Das tut mir gut. Das lässt mich Gott näher sein. Das gefällt mir. Und hin und wieder geht ein stiller Dank an die Beduinen.

Verrückt, dass ich dafür eine APP brauche, aber was soll´s?! Amen!

Beste Grüße!

Martina

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